Eine gute Werkstatt repariert Fahrräder.
Eine außergewöhnliche schafft Begegnung.
Manchmal entstehen die besten Konzepte nicht im Businessplan, sondern aus einem echten Problem: Man will einfach, dass das eigene Rad läuft – zuverlässig, professionell und ohne „Werkstatt-Lotterie“. Genau aus diesem Bedarf heraus ist alf cycling entstanden: ein urbaner Hub, der Werkstattqualität, Showroom-Erlebnis, Café-Flair und Community-Gedanken zu einem stimmigen Gesamtbild verbindet. Im Gespräch mit dem KD Magazin erzählt Fabian Armbruster, wie aus einer Corona-Idee ein ernstzunehmender Service-Player wurde, warum Gravel und Rennrad gerade die Champions der Szene sind – und wieso Service heute mehr ist als Reparatur: nämlich Vertrauen, Prozess und ein gutes Gefühl beim Rausgehen.
Die Fragen stellt die Redaktion von KD Magazin.
Die Antworten gibt Fabian Armbruster. alf cycling wurde gemeinsam mit Michael Kehle und Simon Zirn gegründet.
Wie ist die Idee zu alf cycling entstanden und was war der ausschlaggebende Moment für die Gründung?
Der Start war eine Corona-Idee – aber der Kern war ein echtes Alltagsproblem. Wir haben gemerkt: In Stuttgart ist es überraschend schwer, eine Werkstatt zu finden, die Räder zuverlässig annimmt und professionell betreut – vor allem, wenn man kein „Stammkunde“ ist oder ein Rad aus dem Online-Kauf mitbringt. Gleichzeitig hat der Markt massiv beschleunigt: E-Bike-Boom, Onlinehändler, Leasing – und am Ende brauchen all diese Räder Service. Genau da war für uns der Punkt: Diese Lücke ist zu groß, um sie zu ignorieren. Wir wollten etwas Greifbares aufbauen, das Werkstattqualität neu denkt: strukturiert, transparent, hochwertig – und so, dass Kund:innen sich wirklich abgeholt fühlen

Welche Vision verfolgt ihr mit alf cycling – und was unterscheidet euch bewusst von klassischen Fahrradläden?
Unsere Vision ist ziemlich klar: Wir wollen die Fahrradwerkstatt als Serviceprodukt neu definieren – so, wie Menschen es aus anderen Branchen gewohnt sind. Schnell, transparent, hochwertig, freundlich – und ohne dieses „Du wirst erst mal schief angeschaut“-Gefühl, das viele aus Fahrradläden kennen (und ja, es gibt dafür nicht umsonst Memes).
Der wichtigste Unterschied: Wir sind im Kern eine Werkstatt – nicht ein Laden mit Werkstatt-Ecke. Das ist ein Mindset und auch eine strategische Entscheidung. Handel können viele, Cafés gibt es viele – aber professionell aufgestellte Werkstätten sind rar. Die Radbranche ist in vielen Bereichen noch extrem „hands-on“, manchmal chaotisch, oft ohne saubere Prozessketten. Ich komme aus einer Industrie, die überprofessionalisiert ist – und wir haben bewusst gesagt: Wir bringen Struktur rein, ohne die Seele zu verlieren. Qualität, Prozesse, klare Kommunikation – und trotzdem ein Ort, der sich gut anfühlt.

– Werkstatt, Café, Community: Bei alf cycling verschmelzen Service, Lifestyle und Haltung zu einem Ort, der mehr ist als die Summe seiner Teile –
Wie würdet ihr eure Zielgruppe beschreiben und wie hat sie sich seit der Gründung entwickelt?
Wir denken in drei Fahrradfahrer-Typen:
–
Pendler:innen, die wirklich angewiesen sind – bei Wind und Wetter, auch wenn’s kalt und nass ist.
Hobbyfahrer:innen, die bei gutem Wetter fahren – Ausflüge, Erledigungen, ab und zu zur Arbeit.
Sportive, für die Radfahren Hobby und Leidenschaft ist – vom Wochenendfahrer bis zum Triathleten, Ironman, Jedermannrennen bis semi-professionell.
Am Anfang wollten wir alle drei gleich gut bedienen. Und das tun wir auch – aber realistisch hat sich unsere Zielgruppe stärker in den sportiven Bereich verschoben. Der Grund ist logisch: Wir sind immer enger mit Canyon zusammengewachsen. Canyon steht stark für Road & Gravel – und damit zieht sich unser Profil automatisch in Richtung Performance- und Erlebnisradeln. Das heißt nicht, dass wir Pendler oder Hobbyfahrer ausschließen – im Gegenteil: Gerade die profitieren massiv von gutem Service. Aber unsere Sichtbarkeit und unsere Marke sind heute klar sportiver positioniert als ganz zu Beginn.
alf cycling verbindet Showroom, Werkstatt, Café und Community. Was steckt hinter diesem ganzheitlichen Ansatz?
Das Ganze ist organisch gewachsen – aber mit klarer Logik. Der Kernfokus war von Anfang an die Werkstatt. Das Café haben wir bewusst integriert, weil wir einen Ort wollten, an dem Menschen nicht nur „abgeben und weg“ machen, sondern ankommen. Viele aus dem Team haben Gastro-Erfahrung – und wir wollten, dass Service nicht nach Hinterhof aussieht, sondern nach Qualität.
Und dann kam die Community fast automatisch: Menschen treffen sich vor oder nach der Ausfahrt, Vereine nutzen das Café als Homebase, man bleibt hängen, spricht über Setups, Touren, Reifen, Rollen-Training im Winter – das ist genau diese „dritte Location“, die in Städten funktioniert.
Der Showroom wiederum kam als strategische Chance durch Canyon – und hat unsere Sichtbarkeit massiv verändert.

Welche Bikes und Marken sind aktuell besonders gefragt – und warum?
Im Moment sind Rennrad und Gravel die klaren Gewinner. Der Fahrradbranche geht’s insgesamt gerade nicht leicht, aber in diesem Segment ist noch echtes Wachstum möglich – weil es nicht nur ein Fortbewegungsprodukt ist, sondern Lifestyle, Training, Community und teilweise auch Mental Health.
Kurz erklärt, für alle, die neu einsteigen:
Rennrad ist Tour-de-France-DNA: dünne Reifen, maximal Performance, Leichtbau, Aerodynamik. Auch da gibt es Subtypen – Berg, Aero, Langstrecke, Triathlon etc.
Gravel ist vom Rennrad abgeleitet, aber breitere Reifen, Profil, flexibler. Du kannst Schotterwege, Waldwege, schlechtere Straßen fahren – und bist nicht sofort am Limit, wenn es nass wird oder der Untergrund wechselt.
Und dann kommt ein Trend dazu, der das Gravel-Thema groß gemacht hat: Bikepacking. Früher hieß das „Fahrradtour“, heute ist es smart integriert: Taschen im Rahmen, aerodynamischer, sportlicher, länger unterwegs – ohne dass du gleich das klassische Tourenrad-Setup fahren musst.
Viele steigen heute mit Gravel ein, weil es als Allrounder funktioniert. Und später kommt oft das Rennrad dazu.
Welche Rolle spielen Testfahrten im Entscheidungsprozess eurer Kund:innen?
Eine enorme – gerade weil die Branche lange anders funktioniert hat. Canyon ist dafür ein gutes Beispiel: Viele Jahre reiner Onlinevertrieb, Probefahrt in Koblenz möglich, aber für 99% der Kund:innen unrealistisch. Trotzdem hat Canyon es geschafft, weil Produkt, Marke und Preis-Leistung stark sind.
Mit Showroom und Testmöglichkeiten hebst du das Ganze aber auf ein anderes Niveau. Menschen wollen fühlen: Sitzposition, Handling, Steifigkeit, Reifenbreite, Schaltgefühl. Gerade bei Gravel ist die Frage oft: „Wie sportlich ist das wirklich?“ oder „Wie komfortabel ist das auf schlechtem Asphalt?“
Testfahrten sind bei uns deshalb nicht nur „nice to have“, sondern Teil des Entscheidungs-Workflows: Beratung → Setup-Fragen → Probefahrt → Feinjustierung → Entscheidung. Das reduziert Fehlkäufe und sorgt für langfristige Zufriedenheit – was wiederum Servicebindung und Weiterempfehlungen stärkt.
,,Unser Kerngeschäft ist nicht der Verkauf von Rädern, sondern Vertrauen – und das entsteht nur durch ehrlichen Service und echte Qualität.“
Was macht eure Werkstatt und euren Service aus Kundensicht besonders?
Drei Dinge:
Professionalität und Prozess: Wir wollen, dass du weißt, was passiert. Keine Blackbox. Transparenz, saubere Abläufe, verlässliche Rückmeldungen.
Kompetenz: Wir haben Mechaniker, die Probleme lösen, an denen andere oft abwinken – und wir trauen uns Dinge zu, ohne fahrlässig zu sein.
Erlebnis & Tonalität: Freundlich begrüßen, ernst nehmen, erklären. Viele Kund:innen kommen mit negativen Werkstatt-Erfahrungen. Wenn du ihnen das nimmst, entsteht sofort Vertrauen.
Ich sage immer: Service ist nicht nur Reparatur. Service ist ein Gefühl. Und genau dieses Gefühl ist das, was hängen bleibt.

alf cycling ist stark Community-getrieben. Wie wichtig ist dieser Aspekt für euch unternehmerisch?
Unternehmerisch ist Community kein „Marketing-Gimmick“, sondern ein Stabilitätsfaktor. Community bedeutet: Wiederkehr, Bindung, organische Weiterempfehlung, Vertrauen. Wenn Menschen sich hier treffen, sprechen sie über uns – ohne dass wir „Werbung“ machen müssen.
Und noch wichtiger: Community macht uns resilienter. Gerade in einer Branche, die Schwankungen hat, ist eine loyale Basis Gold. Wer sich verbunden fühlt, bleibt – auch wenn es gerade irgendwo Rabattaktionen gibt. Das ist strategische Markenstärke.
foto
Welche Events oder gemeinsamen Rides haben sich als feste Highlights etabliert?
Über die Zeit haben sich bei uns ganz organisch mehrere Formate entwickelt, die heute echte Fixpunkte für unsere Community sind. Besonders beliebt sind unsere gemeinsamen Ausfahrten – vom entspannten After-Work-Ride unter der Woche bis hin zu längeren Wochenendtouren. Dabei geht es weniger um Leistungsdruck, sondern um das gemeinsame Erlebnis, den Austausch und das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.
Darüber hinaus haben sich saisonale Events etabliert, etwa Saisonstarts, Special Rides oder Kooperationsevents mit Partnern aus dem Radsport- und Lifestyle-Umfeld. Unser Café spielt dabei eine zentrale Rolle: Viele kommen nach den Ausfahrten bewusst zurück, bleiben noch auf einen Kaffee, tauschen Erfahrungen aus und lernen neue Leute kennen. Genau diese Mischung aus Bewegung, Begegnung und entspannter Atmosphäre macht die Events für viele so besonders.
Was uns freut: Die Community trägt diese Formate inzwischen selbst mit. Viele Ideen entstehen direkt aus dem Austausch mit unseren Kund:innen – und genau so soll es auch bleiben

Was bedeutet es für euch, ein urbaner Treffpunkt für Radsport- und Lifestyle-Interessierte zu sein?
Es bedeutet, dass wir nicht nur Bikes bewegen, sondern Menschen. Stuttgart braucht solche Orte, die Sport, Lifestyle und Alltag verbinden. Du kannst hier herkommen, dein Rad abgeben, einen Kaffee trinken, Leute treffen, deine nächste Tour planen oder einfach nur „sein“. Das ist ein urbanes Konzept, das über Produktverkauf hinausgeht.
Und es verändert auch die Kultur: Ein Fahrradladen ist dann nicht mehr „nur“ Laden. Er wird zu einem Stück Stadtleben.
– alf cycling ist kein klassischer Fahrradladen – sondern eine Antwort auf die Frage, wie moderner Radsport heute gedacht werden muss –

Welche Vorteile bietet Bikeleasing aus eurer Sicht für Arbeitgeber und Arbeitnehmer?
Bikeleasing ist ein Win-Win-System, wenn es sauber umgesetzt wird. Arbeitnehmer:innen kommen schneller an hochwertige Räder, oft zu besseren Konditionen als Direktkauf. Arbeitgeber profitieren von Employer Branding, Gesundheitsfaktor, moderner Mobilität und einem attraktiven Benefit, der wirklich genutzt wird.
Und ganz ehrlich: Es verschiebt auch die Denke. Ein Fahrrad ist nicht mehr „Nice to have“, sondern Teil des Alltags-Setups – wie Smartphone oder Laptop.
Welche Erfahrungen habt ihr mit Unternehmen gemacht, die Bikeleasing neu einführen?
Viele starten mit einer Mischung aus Neugier und Fragezeichen: „Wie läuft das genau? Was müssen wir beachten? Wie kommunizieren wir das intern?“
Unsere Erfahrung: Entscheidend ist eine klare Einführung. Mitarbeitende brauchen einfache Steps, ein verständliches Modell, und sie müssen wissen, wo sie Service bekommen. Denn Leasing ohne Service ist wie Auto ohne Werkstatt.
Unternehmen, die es gut machen, bauen es als Kulturthema auf: Gesundheit, Nachhaltigkeit, Mobilität. Unternehmen, die es schlecht machen, sehen es nur als „Benefit auf dem Papier“.
Welche Bikes werden im Leasing besonders häufig gewählt – und warum?
Sehr häufig: E-Bikes für Alltag & Pendeln und im sportiven Segment Gravel.
Warum? Leasing senkt die Einstiegshürde. Viele sagen: „Wenn schon, denn schon.“ Und dann greifen sie zu etwas, das Spaß macht, vielseitig ist und langfristig genutzt wird. Gravel ist da wieder der perfekte Sweet Spot: sportlich, flexibel, alltagsfähig.
Wo seht ihr alf cycling in fünf Jahren – strategisch und konzeptionell?
In fünf Jahren wollen wir als Benchmark für Werkstatt- und Servicequalität in der Region stehen – und zwar nicht nur „weil wir nett sind“, sondern weil wir Prozesse, Kompetenz und Kundenerlebnis auf ein Niveau bringen, das man eher aus Premium-Branchen kennt.
Strategisch heißt das:
Werkstatt-Kapazitäten skalieren, ohne Qualität zu verlieren
Digitalisierung weiter ausbauen (Transparenz, Dokumentation, Kommunikation)
Community als echtes Asset weiterentwickeln
Partnerschaften wie Canyon so nutzen, dass beide Seiten wachsen
Gibt es geplante Neuerungen, Kooperationen oder Projekte, auf die ihr euch besonders freut?
Die engere Zusammenarbeit mit Canyon war ein Meilenstein und bleibt es auch. Dass wir inzwischen Canyon Experience Partner sind – und das in Deutschland nur sehr exklusiv vergeben wird – ist für uns eine echte Auszeichnung. Das eröffnet Perspektiven: mehr Showroom, mehr Beratung, mehr Erlebnisformate, mehr Professionalität im Service-Ökosystem.
Und daneben: Wir wollen weiterhin Formate schaffen, die Menschen zusammenbringen – nicht künstlich, sondern weil es zu uns passt.
„Wir wollten keinen Ort schaffen, an dem man nur repariert – sondern einen, an dem man bleibt.“
Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz aktuell oder perspektivisch für alf cycling – z. B. in Beratung, Marketing, Planung oder Prozessen?
KI ist für uns weniger „Science Fiction“, sondern ein Produktivitätshebel. Wir nutzen KI eher dort, wo sie Sinn macht:
Kommunikation & Content (Ideen, Struktur, Textvarianten – immer mit menschlichem Feinschliff)
Planung & Prozesse (Abläufe, Kapazitätsdenken, Standardisierung)
perspektivisch auch Service-Dokumentation: bessere Diagnose-Protokolle, Wissensdatenbank, schnellere interne Antworten
In der Beratung bleibt der Mensch zentral. Bikes sind Emotion – KI kann unterstützen, aber nicht ersetzen.
Social Media ist heute ein zentraler Touchpoint. Welche Plattformen sind für euch am relevantesten – und wie wichtig ist authentisches Storytelling für eure Marke?
Social Media ist für uns nicht „Reichweite um jeden Preis“, sondern Beziehungsaufbau. Wichtig ist, dass Menschen verstehen, wofür wir stehen: Werkstatt-DNA, Premium-Service, Community-Ort, Canyon-Kompetenz – und ein Team, das Bock hat.
Authentisches Storytelling ist dabei alles. Die Leute merken sofort, ob du eine Hochglanz-Fassade spielst oder wirklich Einblicke gibst: Werkstatt-Alltag, Lösungen, Prozesse, Team, Ausfahrten, kleine Learnings, echte Momente. Das ist die Währung, die Vertrauen baut – und Vertrauen ist am Ende der stärkste Conversion-Faktor.
Fazit: Service ist das neue Produkt
alf cycling ist nicht entstanden, weil noch ein Fahrradladen gefehlt hat – sondern weil Stuttgart eine echte Service-Lücke hatte. Aus dieser Lücke wurde ein Konzept: Werkstatt im Zentrum, Professionalität als Standard, Erlebnis als Differenzierung und Community als Wachstumsmotor. Und mit Canyon als strategischem Hebel hat sich daraus ein Setup entwickelt, das nicht nur Räder bewegt – sondern eine ganze Szene.
📍 Ausblick
ALF Cycling erweitert sein Konzept mit einem zweiten Standort im Westen von Stuttgart.
Die alf cycling Werkstatt West wird ab Frühjahr 2026 Anlaufstelle für Service, Reparatur und Community
Besuch & Anfahrt – alf cycling
Adresse:
alf cycling
Villastraße 14
70190 Stuttgart
👉 weitere Infos finden Sie unter: alf cycling
👉 Instagram: alf_cycling
Öffentliche Verkehrsmittel:
VVS Routenplanung
Anfahrt & Route:
👉 Route mit Google Maps anzeigen
Google Maps Route alf cycling
👉 Weitere Interviews, Hintergründe und Gespräche mit spannenden Persönlichkeiten findest du hier:








