Warum Tiermedizin heute vor allem Vertrauen braucht – ein Gespräch mit Dr. Schroth von der Kleintierpraxis am Haigst
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Tiermedizin ist nicht nur Technik. Tiermedizin ist Beziehung. Und manchmal: Abschied mit Würde.
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Man merkt schnell, ob ein Ort auf Wirkung ausgelegt ist – oder auf Vertrauen.
Die Kleintierpraxis am Haigst wirkt nicht laut. Sie hat keine „Show“. Keine Inszenierung.
Stattdessen liegt etwas in der Luft, das man heute selten findet: eine ruhige Selbstverständlichkeit. Als wäre es normal, dass man sich um Tiere kümmert – und um die Menschen dahinter gleich mit.
Diese Praxis ist seit Jahrzehnten eine feste Adresse im Stuttgarter Süden. Und das meint nicht nur: „bekannt“. Es meint: verwurzelt. Viele kommen nicht einmal – sondern immer wieder. Man sieht es daran, wie Menschen sprechen, wenn sie den Namen erwähnen: nicht wie über einen Dienstleister, sondern wie über eine Instanz, die sie schon lange begleitet.
Dr. Schroth führt die Praxis seit über 35 Jahren und beschreibt sie nicht als „sein Werk“, sondern als Teamleistung. Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Gespräch: kein Ego, keine Überhöhung, kein Halbgott. Stattdessen: Verantwortung, Grenzen, Ehrlichkeit – und der Versuch, in einem immer schnelleren, lauteren Umfeld bodenständig zu bleiben.
Im Gespräch geht es um die Entwicklung der Tiermedizin, um die wachsende Rolle von Technik, um die Herausforderungen durch Social Media und Google-Wissen, um Zuchttrends, Mythen und den emotionalen Druck, der entsteht, wenn Haustiere heute für viele Menschen längst mehr sind als „ein Tier“. Es geht aber vor allem um eine Frage: Wie bleibt man menschlich – in einem Beruf, der täglich Nähe, Härte und schnelle Entscheidungen verlangt?
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Interview geführt von KD Magazin
Gesprächspartner Tierarzt Dr. Schroth
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Für alle, die Ihre Praxis noch nicht kennen: Wenn Sie die Kleintierpraxis am Haigst in einem Satz beschreiben müssten – wofür stehen Sie?
Für mich ist das ganz klar: Wir sind die persönliche Haustierarztpraxis vor Ort. Ein erster Ansprechpartner, wenn etwas ist – ohne dass man das Gefühl haben muss, „bevormundet zu werden“. Wir begleiten Tiere durch ihr Leben. Und das ist mehr, als viele denken: Das beginnt bei den ersten Impfungen, geht über Ernährungsfragen, kleine Sorgen, große Sorgen, Verletzungen, chronische Krankheiten – und endet manchmal leider auch mit dem letzten Schritt, den man als Halter gehen muss. Wir sind sozusagen nicht nur „die Praxis“, wenn es brennt, sondern auch die Begleitung im Alltag. Das ist unser Selbstverständnis.
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„Wir begleiten ein Tier nicht durch einen Termin –
wir begleiten es durch sein Leben.“
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Auf Ihrer Webseite bezeichnen Sie sich als eine der ältesten Kleintierpraxen in Stuttgart. Wie hat alles begonnen – und was prägt Ihre Arbeit bis heute?
Begonnen hat es eigentlich sehr klassisch: Ich war Praktikant bei meinem Vorgänger, Dr. Spindler, einem älteren Herrn mit viel Erfahrung. Nebenher habe ich meine Doktorarbeit gemacht, teils in Stuttgart, teils in München, und habe immer wieder bei ihm gearbeitet, auch einfach, um Geld zu verdienen und um Praxisluft zu schnuppern.
Eines Tages kam er mit einem Satz, der damals fast schon „schwäbisch-pragmatisch“ war: „Junger, ich will aufhören. Du kannst die Praxis haben, es braucht nur ein kleines Geld.“ Und dann sitzt man da, man ist noch nicht der große Unternehmer, sondern eher am Anfang. Meine Frau und ich haben uns besprochen und gesagt: Andere kaufen sich für dieses Geld ein Auto. Wir kaufen uns vielleicht eine Existenz. Und so ist es entstanden.
Was mich bis heute prägt? Bodenständigkeit und Ehrlichkeit. Ich versuche, nahbar zu bleiben – auch wenn das manchmal nicht leicht ist. Es gibt in unserem Beruf immer wieder die Versuchung, alles „höher, schneller, teurer“ zu machen, sich zu profilieren, mit großen Worten zu arbeiten. Aber langfristig zählt etwas anderes: dass die Menschen das Gefühl haben, sie können einem vertrauen. Dass sie ernst genommen werden. Und dass man nicht das Maximum an Gewinn aus jeder Situation herauspressen möchte, sondern dass man sauber arbeitet.
Es gab im Laufe der Jahre auch einen Generationenwandel. Ich habe heute mehrere Tierärztinnen angestellt, junge Leute, die anders ausgebildet sind, anders geprägt, auch anders an die Arbeit herangehen. Das kann man nicht verurteilen – es ist die Zeit. Aber mein innerer Kompass ist bis heute: fair bleiben, ehrlich bleiben, Boden unter den Füßen behalten.
Und das spiegelt sich interessanterweise auch bei den Kunden: Es kommen teilweise mittlerweile die dritte Generation zu uns. Die Großeltern waren hier, die Eltern waren hier – und jetzt kommen langsam die Kinder. Das ist für mich ein Zeichen, dass etwas richtig läuft. Nicht perfekt, aber richtig.
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-Intro-Stopper 2
-Institution wird man nicht durch Marketing.
Sondern durch Wiederkommen.
Über Jahrzehnte.-
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Wie hat sich die Tiermedizin in den letzten zehn bis zwanzig Jahren verändert – fachlich, technisch und auch im Umgang mit den Tierhaltern?
Die Veränderung ist massiv. Ich habe die Praxis vor Jahrzehnten übernommen, und damals war eine reine Kleintierpraxis noch etwas Besonderes. Kleintiere liefen oft „nebenher“, viele Tierärzte waren gemischt unterwegs, mal das, mal das. Heute ist eine Spezialisierung auf Kleintiere längst Standard – und darüber hinaus hat sich die Spezialisierung noch weiter zugespitzt: Heute sind manche so spezialisiert, dass es gefühlt um „rechtes Auge, linkes Auge“ geht. Das ist überspitzt, aber es zeigt die Richtung.
Technisch ist es ebenfalls eine andere Welt. Früher hätte man sagen können: Man braucht einen Tisch, eine Lampe und ein gutes Gehirn. Heute reicht das nicht mehr. Wir haben Laborgeräte, die im hohen sechsstelligen Bereich liegen, wir haben digital geröntgt, wir haben moderne Diagnostik. Wir machen einen Großteil der Laboruntersuchungen inhouse, und das Ergebnis ist oft in 20 Minuten da. Schneller als bei vielen Hausärzten.
Demnächst planen wir sogar einen Umzug – mit noch größerer Infrastruktur, perspektivisch CT. Das ist natürlich eine Investition, aber sie zeigt, wie sehr sich die Anforderungen verändert haben. Tierhalter erwarten heute häufig einen Standard, der früher nur in Kliniken zu finden war. Gleichzeitig ist das auch verständlich: Wenn ein Tier für jemanden Familie ist, dann möchte man nicht „ungefähr“, sondern „so gut wie möglich“.
Was den Umgang mit Tierhaltern angeht, hat sich ebenfalls viel verändert. Früher war der Tierarzt – überspitzt gesagt – der Halbgott in Weiß. Mein Vorgänger lief noch im weißen Kittel herum. Das habe ich als eines der ersten Dinge abgeschafft.
Heute ist es anders: Viele kommen mit ausgedruckten Google-Seiten, mit festen Meinungen, mit vermeintlichen Diagnosen. Das kann hilfreich sein – es kann aber auch sehr schwierig sein. Und es verändert die Kommunikation. Man muss noch mehr erklären, noch mehr übersetzen, noch mehr führen, ohne zu belehren.
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„Früher kam man mit Respekt.
Heute kommt man mit Google.“
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Sie haben Google-Bewertungen schon angesprochen. Wie gehen Sie damit um – und wie schützen Sie sich als Praxis davor, von Online-Meinungen abhängig zu werden?
Google-Bewertungen sind ein zweischneidiges Schwert. Sie können helfen, sie können aber auch zerstören – teilweise ungerecht. Ich habe früh erkannt: Wenn das System da ist, dann will ich nicht passiv sein. Also haben wir es aktiv gestaltet.
Bei uns bekommen Kunden seit Jahren ein Kärtchen mit: Wenn Sie zufrieden sind, freuen wir uns über eine Bewertung. Wenn nicht, sagen Sie es uns bitte persönlich, damit wir besser werden können. Das ist kein Trick, sondern eine Haltung: Kritik gehört ins Gespräch, nicht als anonyme Ein-Stern-Bewertung, die einfach nur zerstört.
Durch dieses Vorgehen haben wir viele Bewertungen gesammelt – und dadurch auch eine gewisse Stabilität. Wenn jemand dann doch unzufrieden ist und eine schlechte Bewertung schreibt, stehen viele positive Erfahrungen dagegen. Das ist fairer für alle.
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Was sind heute die häufigsten Gründe, warum Tierhalter zu Ihnen kommen? Und welche Krankheitsbilder sehen Sie besonders oft?
Warum Menschen kommen, ist oft schon ein Spiegel unserer Zeit. Drei Faktoren sind entscheidend: Erstens die persönliche Empfehlung – das ist nach wie vor der wichtigste Kanal. Zweitens unsere langjährige Tierschutzarbeit, weil wir seit Jahrzehnten eng mit dem Tierschutzverein Stuttgart verbunden sind. Viele Tiere kennen wir von dort, viele Halter kommen dadurch zu uns. Und drittens: die Online-Sichtbarkeit, also Bewertungen und Auffindbarkeit.
Was Krankheitsbilder angeht: Es gibt natürlich eine enorme Bandbreite. Aber was viele nicht verstehen: Wir behandeln nie nur das Tier. Wir behandeln immer auch den Halter. Das ist keine Floskel. Ein Haustier ist heute für viele ein sozialer Partner, ein Familienmitglied, manchmal auch der wichtigste emotionale Anker.
Das bedeutet: Man muss medizinisch korrekt arbeiten – aber man muss auch menschlich führen. Das ist das Anstrengende und gleichzeitig das Wesentliche an diesem Beruf.
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„Wir behandeln nicht nur Tiere.
Wir behandeln auch Menschen –
weil Tiere längst Familie sind.“
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Viele junge Menschen kaufen heute ihr erstes Haustier. Was sind typische Anfängerfehler – und was raten Sie konkret?
Der größte Fehler ist oft: zu wenig Vorbereitung und zu viel „Trend“. Der Einfluss von Social Media ist extrem. Es gibt Menschen, die kaufen sich das Tier, das ein Influencer hat, weil sie glauben, das sei „die richtige Wahl“. Dabei ist die richtige Wahl immer individuell: passt dieses Tier zu meinem Alltag, zu meiner Energie, zu meiner Wohnsituation, zu meinem Zeitbudget?
Ein zweiter Fehler ist: Das Tier wird unterschätzt. Ein Hund ist keine spontane Anschaffung, sondern eine Verantwortung über viele Jahre. Gerade bei jungen Menschen: Da passiert viel – Ausbildung, Studium, Umzug, Partnerschaft. Und dann steht plötzlich die Frage: Wer übernimmt das Tier wirklich? Wer bleibt konstant?
Ich empfehle jedem, egal welches Alter: einen Plan B. Was passiert, wenn sich das Leben ändert? Das klingt unromantisch, aber es ist verantwortungsvoll. Und wer den Plan B hat, braucht ihn meistens nie – aber er gibt Sicherheit.
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Intro-Stopper 3
Ein Tier ist keine Phase.
Es ist ein Vertrag –
den man mit dem Leben schließt.
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Welche Stärken hat Ihre Praxis – und wo ziehen Sie Grenzen?
Unsere Stärke ist die Kombination aus Team und Ausstattung. Wir sind keine Hinterhofpraxis, aber wir sind auch keine Klinik, die alles abbilden möchte. Wir haben einen hohen technischen Standard: Labor, Röntgen, Endoskopie. Viele Dinge können wir schnell und präzise abklären.
Gleichzeitig ist es extrem wichtig, zu wissen, wo die Grenzen liegen. Hochkomplexe Knochenchirurgie, Gehirntumore, Thoraxchirurgie, bestimmte Herzthemen – das gehört in spezialisierte Zentren. Es ist verantwortungslos, so zu tun, als könnte man alles. Viel wichtiger ist: zu wissen, wen man fragt, wohin man überweist und wie man das Tier dann gut begleitet.
Das ist auch eine Haltung: Nicht alles selber machen zu müssen, sondern das Beste fürs Tier zu wollen.
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Seit 1990 haben Sie eine enorme Bandbreite an Patienten gesehen. Welches außergewöhnlichste Tier ist Ihnen im Gedächtnis geblieben?
Wir hatten tatsächlich einmal eine Boa constrictor hier, eine Würgeschlange. Und wir hatten einen großen Ara. Das bleibt natürlich hängen, weil es ungewöhnlich ist.
Aber es gibt noch eine andere Art von „außergewöhnlich“, die mir genauso in Erinnerung bleibt: besondere Momente mit Menschen. Wir hatten einen sehr bekannten Musicaldarsteller, der eine extrem bissige Katze dabei hatte. Er setzte die Katze auf den Tisch – und begann plötzlich, in einer Lautstärke zu singen, dass das Wartezimmer mitgesungen hat. Ein Lied aus „Tanz der Vampire“. Und die Katze wurde ruhig.
Das war nicht medizinisch spektakulär, aber menschlich. Solche Momente tragen einen, weil sie zeigen: Dieser Job besteht nicht nur aus Diagnose und Therapie, sondern auch aus Begegnung.
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Notfälle richtig einschätzen: Woran erkennt ein Tierhalter, dass er sofort handeln muss?
Ich würde immer raten: Einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen. Wir bieten so etwas auch an, beispielsweise in Kooperation mit dem Tierheim. Es gibt auch gute Videoressourcen – wenn sie seriös sind.
Als Orientierung helfen fünf Parameter, die man als Laie überprüfen kann: Temperatur, Atmung, Puls, Schleimhäute (sind sie schön rosa?) und das Bewusstsein. Wenn diese Werte normal sind, kann man oft ruhiger bleiben. Wenn mehrere davon auffällig sind, sollte man handeln.
Wichtig ist: Lieber einmal zu viel abklären als einmal zu spät. Aber man sollte auch lernen, nicht in Panik zu verfallen.
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Prävention wird oft unterschätzt. Welche Maßnahmen sind entscheidend, um Krankheiten früh zu vermeiden? Prävention hat zwei große Phasen. Die erste ist ganz früh: Welpen oder junge Tiere. Hier werden Grundlagen gelegt: Ernährung, Sozialisierung, Impfstatus, Parasitenmanagement. Wer in dieser Phase sauber arbeitet, verhindert später oft viele Probleme.
Die zweite Phase beginnt, wenn Tiere älter werden. Unsere Tiere werden heute deutlich älter als früher – dank besserer Haltung, besserer Ernährung und besserer Medizin. Eine Katze wird heute nicht mehr „automatisch“ mit zwölf alt, sondern oft 18 oder 20. Das ist schön – bringt aber geriatrische Themen: Arthrose, Herzprobleme, Organveränderungen.
Ich empfehle ab einem gewissen Alter regelmäßige Check-ups, Blutuntersuchungen. Nicht, weil man „etwas finden will“, sondern weil früh erkannte Baustellen oft viel leichter zu managen sind. Und Lebensqualität ist das Ziel.
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Social Media liefert oft einfache Antworten auf komplexe Fragen. Wo sehen Sie die größten Gefahren?
Die größte Gefahr ist die Kombination aus Halbwissen und absoluter Überzeugung. Viele glauben: „Ich habe es gegoogelt, also weiß ich es.“ Und das ist gefährlich. Medizin ist selten schwarz-weiß.
Das betrifft nicht nur Tiermedizin. Aber bei Tieren hat es eine besondere Brisanz, weil sie nicht sagen können, was sie haben. Man interpretiert. Und wenn diese Interpretation von Internet-Trends gelenkt wird, kann das real schaden.
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Viele Tierhalter kommen heute mit festen Meinungen in die Praxis. Wie schaffen Sie Vertrauen in fachliche Entscheidungen, ohne in einen Machtkampf zu geraten?
Das ist Fingerspitzengefühl. Wenn ich mich hinstelle und sage: „Ich weiß es besser“, dann verliere ich viele Menschen sofort. Also höre ich zu. Ich lasse sie erzählen, ich nehme es wahr, ich kommentiere es nicht abwertend. Und dann arbeite ich sauber: untersuchen, erklären, schrittweise führen.
Vertrauen entsteht selten durch ein Argument. Vertrauen entsteht durch Erfahrung: Der Mensch merkt, dass man kompetent ist, dass man ruhig bleibt, dass man das Tier versteht – und dass man nicht genervt ist.
Aber ja: Es ist anstrengender geworden. Man arbeitet im engen Takt, man hat wenig Zeit, und man muss sich alle paar Minuten auf einen neuen Menschen einstellen – mit seinem Wissen, seiner Angst, seiner Persönlichkeit. Gleichzeitig darf der Hund mich nicht beißen und ich muss trotzdem eine Diagnose stellen. Das ist Alltag.
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„Vertrauen entsteht nicht durch Recht haben.
Vertrauen entsteht, wenn Menschen merken:
Der hier meint es ernst.“
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Welcher Mythos rund um Haustiere hält sich hartnäckig – stimmt aber fachlich nicht?
Ein Mythos ist: „Mischlinge sind immer gesünder.“ Das stimmt so nicht. Ein Mischling kann genauso die negativen Merkmale seiner Vorfahren vereinen – manchmal sogar mehr.
Aktuell sehen wir auch viele „Designer-Kreuzungen“, oft mit Pudel, weil Pudel als „Allergikerhund“ gelten. Dann entstehen Cockapoos, Maltipoos und so weiter. Und viele glauben, das sei automatisch besser. Aber wenn ich Krankheiten von Rasse A und Rasse B vereine, kann es eben auch schlechter werden.
Zucht braucht Verantwortung. Viele Probleme sind nicht neu, sondern wurden über Jahrzehnte „schön gezüchtet“. Schäferhund, Hüften. Bestimmte Retriever-Linien. Und dann gibt es Qualzuchten, bei denen der Gesetzgeber langsam reagiert. Aber vieles ist schwer rückgängig zu machen.
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Gab es einen Moment, der Ihnen besonders gezeigt hat, warum Sie diesen Beruf ausüben?
Es gab viele Momente. Wenn es nur einen gegeben hätte, wäre das zu wenig, um all die Belastungen auszugleichen.
Es gibt Tage, da rettet man Tiere, da sieht man Fortschritt, da sieht man, wie Lebensqualität zurückkommt. Und dann gibt es Tage, da muss man Abschiede begleiten. Kinder, die ihr Tier verlieren. Menschen, die kurz nacheinander schlimme Verluste erleben. Das trifft auch uns.
Aber genau deshalb ist der Beruf wichtig. Und die schönen Momente sind oft die kleinen: Wenn ein Tier, das vorher apathisch war, wieder reagiert. Wenn ein Hund, der kaum stehen konnte, wieder läuft. Und ja: Wenn er mich wieder beißt, dann weiß ich zumindest, er hat Kraft.
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Intro-Stopper 4
Der härteste Teil des Jobs ist nicht das Blut.
Sondern die Tränen.
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Wie soll sich die Praxis in den kommenden Jahren weiterentwickeln – fachlich, strukturell oder im Service?
Wir entwickeln uns weiter, weil Stillstand Rückschritt ist. Wir bauen gerade eine neue Praxis, weil es hier mit der Anzahl der Menschen zu eng ist – für Kunden, aber vor allem für Mitarbeiter. Arbeitsbedingungen sind Teil von Haltung.
Wir investieren in Technik, in digitale Abläufe: Online-Termine, digitale Rechnungen, QR-Code-Zahlung, moderne Software. Das macht vieles einfacher und professioneller.
Trotzdem darf eines nicht verloren gehen: Nähe. Dieses „Sie können zu uns kommen und es ist okay“. Das bleibt. Technik soll unterstützen – nicht ersetzen.
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Wenn Tiere sprechen könnten – was würden Hund oder Katze Ihnen am häufigsten sagen? Und was würden Sie antworten?
Die würden wahrscheinlich sagen: „Lass mich in Frieden.“
Und ich würde antworten: „Ich will doch nur helfen.“
Die Tiere riechen die Angst der anderen Tiere, sie spüren die Situation, sie wissen nicht, dass wir helfen. Für sie ist es Stress. Und trotzdem tun wir es, damit sie wieder gesund werden. Das ist der Deal.
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Fazit
Dieses Gespräch zeigt, warum gute Tiermedizin heute mehr ist als Geräte, Diagnostik und Prozesse. Natürlich gehört all das dazu. Aber im Kern geht es um etwas, das man nicht kaufen kann: Vertrauen.
Dr. Schroth steht für eine Haltung, die im heutigen Tempo fast schon selten ist:
Nicht laut sein müssen.
Nicht alles können müssen.
Nicht gewinnen müssen – sondern begleiten.
In einer Welt, in der jeder alles googelt und in der schnelle Antworten beliebter sind als saubere Diagnosen, braucht es Menschen, die ruhig bleiben. Menschen, die erklären können, ohne sich zu erhöhen. Und Menschen, die wissen, wo ihre Grenzen sind – weil genau das Verantwortung ist.
Die Kleintierpraxis am Haigst ist deshalb nicht nur eine Praxis.
Sie ist für viele eine Konstante.
Ein Ort, an dem Tier und Mensch nicht „abgefertigt“ werden, sondern ernst genommen.
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Besuch & Anfahrt – Kleintierpraxis am Haigst
Adresse:
Kleintierpraxis am Haigst
Alte Weinsteige 100,
70597 Stuttgart
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