Kinderwunschzentrum am Schlossplatz, ein Gespräch mit der medizinischen Leitung und Geschäftsführung
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Ein unerfüllter Kinderwunsch ist längst kein Randthema mehr. Er berührt medizinische, gesellschaftliche und zutiefst persönliche Fragen – und er verlangt nach sensiblen Antworten. Mit dem Kinderwunschzentrum am Schlossplatz ist im Sommer ein neues Zentrum entstanden, das genau hier ansetzt: patientenzentriert, transparent und bewusst anders organisiert.
Im Gespräch mit der medizinischen Leitung und der Geschäftsführung wird deutlich, dass es hier nicht nur um reproduktionsmedizinische Verfahren geht, sondern um Haltung, Zeit und Vertrauen. Um einen Raum, in dem moderne Medizin und menschliche Begleitung kein Widerspruch sind – sondern Voraussetzung füreinander.
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Die Fragen stellte das KD-Magazin. Die Antworten stammen aus einem gemeinsamen Gespräch mit der leitenden Ärztin Verena Peuten und der Geschäftsführung Herrn Christoph Müller-Guntrum des Kinderwunschzentrums am Schlossplatz.

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Seit wann besteht das Kinderwunschzentrum am Schlossplatz und was war die Motivation für die Gründung?
Das Kinderwunschzentrum am Schlossplatz wurde im Sommer dieses Jahres neu eröffnet. Zwar befand sich in den Räumlichkeiten zuvor bereits ein anderes Zentrum, organisatorisch und inhaltlich handelt es sich jedoch um einen vollständigen Neustart. Die Motivation zur Gründung war klar: der Wunsch, ein Zentrum zu schaffen, das den Menschen konsequent in den Mittelpunkt stellt.
Aus langjähriger Erfahrung in der Reproduktionsmedizin wissen wir, dass sich viele Patientinnen und Patienten zwar medizinisch behandelt, aber emotional nicht ausreichend abgeholt fühlen. Häufig fehlt Zeit, Orientierung oder ein fester Ansprechpartner. Genau hier wollten wir ansetzen – mit einem Zentrum, das Raum für Aufklärung, Rückfragen und Begleitung lässt. Als Selbstzahler- und Privatzentrum können wir uns diese Zeit bewusst nehmen und Prozesse so gestalten, dass sie für die Patient:innen nachvollziehbar und transparent bleiben.
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Was zeichnet Ihr Zentrum im Vergleich zu anderen Kinderwunschzentren besonders aus?
Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal ist die konsequente Kombination aus Zeit, Digitalisierung und persönlicher Betreuung. Durch vollständig digitale Prozesse erhalten Patient:innen ihre Befunde, Unterlagen und Informationen zeitnah und übersichtlich – ohne Papierberge, ohne Unsicherheit. Gleichzeitig schafft diese Struktur intern Ruhe: Unser Team ist ansprechbar, präsent und nicht permanent durch administrative Aufgaben blockiert.
Besonders hervorzuheben ist zudem die offene Kommunikation – auch mit dem IVF-Labor. In vielen Zentren bleiben embryologische Prozesse für Patient:innen abstrakt und fern. Bei uns sind die Biolog:innen ansprechbar, erklären geduldig und transparent. Dieses Maß an Einbindung wird von vielen als sehr entlastend empfunden.
Darüber hinaus verstehen wir uns als offenes Zentrum für alle Lebens- und Familienkonstellationen. Frauenpaare, Solomütter und klassische Paare sind bei uns gleichermaßen willkommen – ohne Einschränkung oder Bewertung.
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„Ein gutes Kinderwunschzentrum erkennt man nicht nur am medizinischen Ergebnis, sondern daran, wie sicher, verstanden und begleitet sich Patient:innen während des gesamten Weges fühlen.“
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Mit welcher Haltung begegnen Sie Paaren oder Einzelpersonen, die zu Ihnen kommen?
Unsere Haltung ist geprägt von Respekt, Offenheit und Ehrlichkeit. Der Kinderwunsch ist ein zutiefst intimes Thema, häufig begleitet von Unsicherheit, Druck und gesellschaftlichen Erwartungen. Wir sehen unsere Aufgabe darin, einen geschützten Raum zu schaffen, in dem diese Gefühle Platz haben dürfen.
Uns ist wichtig, realistische Perspektiven aufzuzeigen – ohne falsche Hoffnungen, aber auch ohne unnötige Angst. Dazu gehört eine transparente Kommunikation über Chancen, Grenzen und Alternativen. Gleichzeitig möchten wir Patient:innen befähigen, informierte Entscheidungen zu treffen. Nicht wir entscheiden über Lebenswege, sondern begleiten Menschen dabei, ihren eigenen zu finden.
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Ab welchem Zeitpunkt raten Sie dazu, professionelle Unterstützung beim Kinderwunsch in Anspruch zu nehmen?
Klassisch gilt: Nach etwa einem Jahr unerfüllten Kinderwunsches sollte eine fachärztliche Abklärung erfolgen. Mit zunehmendem Alter – insbesondere ab Mitte dreißig – kann dieser Zeitraum jedoch kritisch lang sein. Die Fruchtbarkeit nimmt biologisch ab, auch wenn das gesellschaftlich oft unterschätzt wird.
Unabhängig davon empfehlen wir, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen, wenn Kinderwunsch Teil der Lebensplanung ist. Eine diagnostische Abklärung schafft Klarheit, nimmt Unsicherheit und kann auch Hinweise auf andere gynäkologische Erkrankungen wie Endometriose oder PCOS liefern. Wissen ist hier kein Alarmismus, sondern eine Form von Vorsorge.
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Welche typischen Sorgen oder Ängste bringen Patient:innen beim ersten Termin mit?
Die zentrale Frage lautet fast immer: „Geht es noch?“ Unabhängig von Konstellation oder Behandlungsziel – ob Social Freezing, IVF oder Solomutterschaft – steht die Angst im Raum, dass die eigene Fruchtbarkeit bereits eingeschränkt sein könnte.
Viele Patientinnen sind sehr gut informiert, kennen Begriffe wie Eizellreserve oder Eizellqualität, wissen aber nicht, wie diese Informationen auf ihre individuelle Situation zutreffen. Diese Unsicherheit erzeugt enormen Druck. Ein Ziel des Erstgesprächs ist es daher, diese diffuse Angst in konkrete, greifbare Informationen zu übersetzen.
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Wie wichtig ist Aufklärung und emotionale Begleitung neben der medizinischen Behandlung?
Sie ist essenziell. Medizinische Maßnahmen allein reichen nicht aus, um Menschen in dieser Situation gerecht zu werden. Viele Gespräche haben einen hohen psychologischen Anteil – oft mehr als fünfzig Prozent. Es geht darum, zuzuhören, einzuordnen und auch schwierige Wahrheiten respektvoll zu vermitteln.
Digitale Angebote und Videotermine können ergänzen, ersetzen aber nicht den persönlichen Kontakt. Gerade in Phasen, in denen Behandlungen nicht wie erhofft verlaufen, ist Nähe und Gesprächsbereitschaft entscheidend. Ergänzend vermitteln wir bei Bedarf externe psychologische Unterstützung, um zusätzliche Perspektiven zu ermöglichen.
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Welche Behandlungsformen bieten Sie an und wie individuell werden diese abgestimmt?
Alle Behandlungen werden individuell geplant – standardisierte Schemata lehnen wir ab. Wir bieten das gesamte Spektrum an: von Zyklusmonitoring und gezieltem Geschlechtsverkehr über Insemination bis hin zu IVF und ICSI. Auch Fruchtbarkeitserhalt durch Social Freezing gehört dazu.
Die Auswahl der Methode hängt von vielen Faktoren ab: Alter, medizinische Vorgeschichte, hormonelle Situation, Spermaqualität und persönliche Lebensumstände. Ziel ist immer, den sinnvollsten und zugleich schonendsten Weg zu finden – nicht den maximal invasiven.
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Wie laufen IVF und ICSI konkret ab?
Bei der IVF werden nach hormoneller Stimulation Eizellen entnommen und außerhalb des Körpers mit Spermien zusammengebracht. Entwickeln sich Embryonen, werden diese in die Gebärmutter eingesetzt. Bei der ICSI wird ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle injiziert – meist bei eingeschränkter Spermienqualität.
Trotz technischer Unterstützung bleibt ein biologischer Prozess, der sich nicht erzwingen lässt. Auch bei optimalen Bedingungen entscheidet letztlich die Genetik. Diese Realität offen zu kommunizieren, ist uns wichtig.
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Wie hoch sind die Erfolgschancen – und wovon hängen sie ab?
Der wichtigste Faktor ist das Alter der Frau. Ab etwa 35 Jahren nimmt die Fruchtbarkeit messbar ab, die Fehlgeburtenrate steigt. Lebensstilfaktoren wie Rauchen oder Ernährung spielen ebenfalls eine Rolle, können den Alterseffekt jedoch nicht vollständig ausgleichen.
Entscheidend ist eine ehrliche Einschätzung der individuellen Chancen. Diagnostik liefert hier wichtige Anhaltspunkte. Wir legen großen Wert darauf, diese Informationen klar und verständlich zu kommunizieren – auch wenn sie nicht immer ermutigend sind.
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„Wir können keine Versprechen geben – aber wir können maximale Transparenz, medizinische Präzision und ehrliche Einschätzungen bieten.“
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Welche Leistungen werden von Krankenkassen übernommen – und wo entstehen Eigenkosten?
Die Erstattung durch gesetzliche Krankenkassen ist stark eingeschränkt: Voraussetzungen sind unter anderem Ehe, Altersgrenzen und heterosexuelle Paarkonstellationen. Selbst dann werden meist nur fünfzig Prozent der Kosten für maximal drei Versuche übernommen.
Viele Konstellationen – etwa Solomütter, Frauenpaare oder Social Freezing – sind grundsätzlich ausgeschlossen. Diese Regelungen empfinden wir als nicht mehr zeitgemäß. Transparente Kostenaufklärung ist daher umso wichtiger, um realistische Entscheidungen zu ermöglichen.
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Gibt es Möglichkeiten, Behandlungen finanziell planbarer zu gestalten?
Planbarkeit entsteht vor allem durch Transparenz. Wir legen offen, welche Kosten entstehen – von der medizinischen Behandlung über Medikamente bis zur Anästhesie. Zusätzlich arbeiten wir mit externen Finanzierungspartnern zusammen, etwa für Social Freezing, um Ratenmodelle zu ermöglichen.
Gerade beim präventiven Einfrieren zeigt sich ein Paradox: In jungen Jahren ist die medizinische Ausgangslage optimal, finanziell aber oft schwierig. Hier können flexible Modelle entlasten.
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Welche Rolle spielt psychologische Unterstützung bei wiederholten erfolglosen Versuchen?
Sie ist zentral. Bei mehreren erfolglosen Versuchen ist es wichtig, gemeinsam zu reflektieren: Gibt es medizinische Ansatzpunkte? Sind die Erfolgsaussichten realistisch? Oder ist ein bewusster Abschluss des Prozesses der bessere Weg?
Es gibt kein festes Limit an Versuchen, aber nach etwa dem vierten nimmt der Zugewinn an Wahrscheinlichkeit deutlich ab. Ehrlichkeit und respektvolle Begleitung sind hier entscheidend – auch wenn das bedeutet, gemeinsam innezuhalten oder neue Wege zu denken.
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Sollten medizinische oder ethische Grenzen gezogen werden?
Aus unserer Sicht sind die gesetzlichen Regelungen in Deutschland extrem restriktiv und teilweise überholt. Das Embryonenschutzgesetz stammt aus einer Zeit, in der viele heutige Möglichkeiten nicht absehbar waren.
Beispiele wie das Verbot der Eizellspende bei gleichzeitig erlaubter Samenspende wirken inkonsequent. Auch der Umgang mit genetischer Diagnostik ist widersprüchlich geregelt. Hier wünschen wir uns eine sachliche, zeitgemäße Debatte – fernab von Angstbildern wie „Designerbabys“.
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Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz in Ihrem Zentrum?
KI kommt unterstützend zum Einsatz, etwa bei der Bewertung von Embryonen. Time-Lapse-Systeme erstellen Entwicklungsverläufe, die zusätzlich zur Einschätzung der Embryolog:innen analysiert werden. Die Entscheidung bleibt stets beim Menschen – KI dient als ergänzendes Werkzeug.
Darüber hinaus nutzen wir digitale Systeme vor allem für Organisation und Kommunikation, nicht für medizinische Entscheidungen.
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„Familie entsteht heute in vielen Formen – Medizin muss diese Realität abbilden, nicht bewerten.“
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Wie wird sich die Branche in den nächsten Jahren entwickeln?
Der Bedarf wird weiter steigen. Biologisch bleibt die Fruchtbarkeit unverändert, gesellschaftlich verschiebt sich die Familienplanung jedoch nach hinten. Alternative Familienmodelle, Fruchtbarkeitserhalt und Prävention werden an Bedeutung gewinnen.
Gleichzeitig hoffen wir auf eine rechtliche Liberalisierung und mehr gesellschaftliche Akzeptanz – insbesondere für Solomütter und nicht-traditionelle Konstellationen. Kinderwunsch ist vielfältig geworden. Die Medizin sollte dieser Realität gerecht werden.
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Fazit
Das Kinderwunschzentrum am Schlossplatz steht für eine neue Generation reproduktionsmedizinischer Versorgung: medizinisch fundiert, gesellschaftlich reflektiert und menschlich zugewandt. In einer Zeit, in der Lebensentwürfe vielfältiger werden und biologische Realitäten bestehen bleiben, braucht es Orte, die beides ernst nehmen.
Nicht jede Behandlung führt zum erhofften Ergebnis – aber jeder Weg verdient Respekt, Transparenz und Begleitung. Genau hier setzt dieses Zentrum an: mit Zeit, Haltung und dem klaren Ziel, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.
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Besuch & Anfahrt – Kinderwunsch am Schlossplatz Stuttgart
Adresse:
Kinderwunsch am Schlossplatz Stuttgart
Friedrichstraße 45
70173 Stuttgart
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Öffentliche Verkehrsmittel:
VVS Routenplanung
Anfahrt & Route:
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