L`Artista von 7.000 Euro zum Stadtgespräch:
Wie Nico Zingariello Stuttgart Pizza neu beigebracht hat
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Mit einem Sack Mehl fängt alles an.
Und manchmal mit einem Satz: „Bevor du den Laden abgibst, lass mich ein Konzept versuchen.“
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Nico Zingariello ist 30, wirkt wie jemand, der permanent zwischen Baustelle, Backofen und Vision pendelt – und genau das ist er auch. 2018 steht er vor einem Betrieb, der eigentlich kurz vorm Abgeben ist: Sein Vater hatte eine Kneipe, die wegen Rauchverbot zum Restaurant umgebaut wurde. Zwei Herzinfarkte später war klar: Alleine geht das nicht mehr. Nico, damals mit REWE-Ausbildung und Marktleiter-Erfahrung, hatte Gastronomie im Kopf – nicht als Romantik, sondern als echtes Spiel um Qualität, Tempo und Verantwortung.
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Er überzeugt seinen Vater von einer Idee, die in Stuttgart „damals noch keiner so gemacht hat“: neapolitanische Pizza – aber kompromisslos fokussiert. Keine Pasta, kein Fisch, kein Bauchladen. Nur Pizza. Startkapital: 7.000 Euro. Ein Ofen, eine Teigmaschine, ein Sack Mehl. Und ein Modus, den man nicht lernen kann – nur leben: jeden Tag offen, kein Ruhetag, 18-Stunden-Tage. Schritt für Schritt: erst zwei Säcke Mehl, später Paletten.
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[BILD 1 – außen/innen, Moodshot]Ästhetik.

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„Lieber Qualität vor Masse.“
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Nico, für alle, die dich noch nicht kennen: Wer bist du – und was ist L`Artista Pizza für dich persönlich?
Ich bin Nico Zingariello, 30 Jahre alt, und ich sage immer: eigentlich bin ich „nur ein einfacher Pizzabäcker“ – auch wenn Leute mich manchmal behandeln, als wäre ich ein Rapper, wenn ich mit Sonnenbrille irgendwo reinkomme. L`Artista Pizza ist für mich nicht einfach ein Laden, sondern ein Versuch, einen Geschmack aus meiner Erinnerung wieder auf die Straße zu bringen: Neapel, Strand, ein Stück Pizza auf die Hand – dieser Moment ist bei mir im Kopf geblieben. Ich bin stolz, wenn Leute sagen „beste Pizza“, aber ich bin noch nicht an meinem Endpunkt. L`Artista ist mein Weg, mich ständig zu verbessern, Qualität wirklich zu leben und den Gästen nicht nur Essen, sondern ein Gefühl zu geben.
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Stuttgart war nicht ready. Nico war’s trotzdem.
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Wann hast du gemerkt, dass Pizza für dich mehr ist als nur Essen?
Als ich verstanden habe, dass Pizza für mich ein Erinnerungsanker ist – und gleichzeitig ein Handwerk, das dich jeden Tag demütigt, wenn du ungenau bist. Früher in Neapel war Pizza für mich nicht „Restaurant“, sondern Alltag: kurz holen, bevor es weitergeht. Als ich später in Deutschland war, wurde mir klar, dass ich genau dieses „Gefühl im Mund“ suche, das ich von damals kenne. Heute merke ich: Wenn Leute kommen, nicht nur wegen der Pizza, sondern wegen dem Vibe, dann ist das mehr als Essen. Und wenn ich selbst noch nicht zufrieden bin, weil ich weiß, da geht noch mehr Richtung „Neapel-Level“, dann zeigt das auch: Ich mache das nicht für ein Häkchen auf einer Karte, sondern weil ich diesem Ideal hinterherjage.
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Warum genau dieses Konzept – was macht L`Artista Pizza anders als eine klassische Pizzeria?
Das Konzept ist bewusst „straight“: neapolitanische Pizza, fluffiger Rand, mehr Wasser im Teig, Fokus auf Qualität – und keine klassische Karte, die versucht, jedem alles zu geben. Mein Vater war erst skeptisch und wollte „Pizza, Pasta, Fisch, Fleisch“, wie viele Italiener das machen. Ich habe gesagt: Nein, ich will nur Pizza, weil ich hier etwas bauen will, was Stuttgart so noch nicht hatte. Viele unterschätzen auch, wie sehr sich das entwickelt hat: Am Anfang wurden wir wegen der schwarzen Pünktchen im Rand ausgelacht, manche haben sogar von „krebserregend“ geredet. Heute macht es „fast jeder“. Unser Unterschied ist: Wir haben früh entschieden, lieber weniger Plätze und weniger Umsatz zu nehmen – dafür konstant Qualität.
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[BILD 2 – Produkt/Close-up]

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Was ist dir bei einer Pizza wichtiger: der Teig, die Zutaten oder das Gefühl, das sie auslöst?
Ich würde sagen: alles zusammen – aber es gibt eine Reihenfolge. Qualität ist die Basis. Wenn Teig, Mehl, Tomate, Zutaten stimmen, hast du schon so eine Grundlinie, dass du schwer komplett falsch abbiegen kannst. Wir haben bewusst nur etwa zwölf Pizzen auf der Karte, Top-Seller, alles frisch. Wir holen regelmäßig Fior di Latte und Büffelmozzarella aus Italien, so konsequent, dass sogar jemand für uns fährt und das Zeug im Sprinter holt. Aber die andere Hälfte ist das Gefühl: Ambiente, Vibe, die Zeit, die Menschen hier haben. Manchmal, wenn ich selbst essen gehe, ist mir die Quality Time wichtiger als das Essen. Und genau deshalb soll das Gesamtpaket stimmen.
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Wenn du jemandem in einem Satz erklären müsstest, warum eure Pizza besonders ist – was würdest du sagen?
Ganz simpel: Unsere Pizza macht dich satt, aber sie erschlägt dich nicht. Viele kennen das: Du isst abends Pizza und wachst nachts mit Durst auf oder hast dieses schwere Gefühl im Magen. Bei uns ist viel Wasser im Teig, das macht einen Unterschied – du fühlst dich nicht so „zugemauert“. Dazu kommt die Idee, dass wir nicht versuchen, alles zu sein, sondern eine Sache extrem gut zu machen. Und wir erklären den Leuten auch, warum Dinge so aussehen: diese Punkte, dieser Rand, dieser Stil – das ist nicht „verbrannt“, das ist die Art, wie diese Pizza funktioniert. Es ist kein Trick, sondern Handwerk plus Konsequenz. Und genau das schmeckst du.
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Wie sah dein persönlicher Werdegang aus – war das alles geplant oder eher Learning by Doing?
Learning by Doing, komplett. Ich habe eine Ausbildung bei REWE gemacht, war Marktleiter und hatte sogar mal den Traum, irgendwann einen eigenen REWE zu besitzen. Ich habe das geliebt – sogar im Urlaub freiwillig gearbeitet, Praktika gemacht, weil ich Bock hatte. Aber irgendwann merkst du: Für so einen Schritt brauchst du viel Kapital und jemanden, der für dich bürgt. Das hatte ich nicht. Gastronomie war dann das Feld, wo du mit weniger starten kannst – und genau so war es bei uns: 7.000 Euro, Ofen, Teigmaschine, Sack Mehl, ein paar Getränke. Dann hustlen: jeden Tag offen, Metro früh um 6:30 für Basilikum, weil dich keiner beliefert, wenn du zu klein bist. Heute ist es Paletten-Realität.
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Gab es einen Moment, in dem du kurz gezweifelt hast, und warum hast du trotzdem weitergemacht?
Sehr oft. Ich lag nachts wach und hab mich gefragt: „Warum gebe ich mir diese Action? Für was?“ Diese Phasen kommen, wenn du nur arbeitest, wenn du Druck spürst und du gefühlt immer Probleme löst. Aber ich habe Ziele. Ich bin noch nicht an meinem Ziel, aber ich will dahin – und das hält mich. Außerdem baut sich über die Zeit etwas auf, das du nicht einfach abbrichst: Team, Verantwortung, Menschen, die an dich glauben. Und irgendwann kommen die „Früchte“ langsam zurück: Dinge, auf die du hingearbeitet hast, werden sichtbar. Ich sage nicht, dass es leicht ist. Aber ich glaube an Disziplin. Und ich halte mich an einen Gedanken, der mich oft rettet: Am Ende wird alles gut.
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Wenn du nicht abschalten kannst, baust du entweder ein Imperium – oder du zahlst den Preis
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Euer Social-Media-Auftritt funktioniert extrem gut – woran liegt das deiner Meinung nach?
Weil es das beste Marketing-Instrument ist, wenn du die richtigen Leute erreichen willst. Früher: Zeitung liest keiner mehr, TV ist zu teuer und viele schauen gar kein Fernsehen. Also war für mich klar: Instagram, TikTok – dort passiert Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist heute eine Währung. Am Anfang war ich schüchtern, ich wollte mich nicht zeigen. Meine Mitarbeiter haben gesagt: „Mach Reels, das passt zu dir.“ Diese Entwicklung hat gedauert. Heute ist es verrückt: Menschen sprechen mich zehnmal am Tag an, wollen Fotos, vergleichen mich mit einem Rapper – sogar Security-Leute fragen „wer ist der Rapper neben dir“. Ich glaube, es funktioniert, weil wir nicht versuchen, geschniegelt zu wirken, sondern echt. Und weil der Vibe stimmt.
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„Ich bin kein Rapper. Ich bin ein Pizzabäcker.“
(Nico über Außenwirkung vs. Realität)
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Wie bewusst zeigt ihr auf Social Media auch den Alltag und die Arbeit hinter den Kulissen?
Wir haben ein paar Ideen, die wir auf jeden Fall filmen – aber vieles entsteht spontan. Ich habe Strategien ausprobiert, aber ich habe noch nicht diese „eine“ Content-Strategie gefunden, wo ich sage: „Okay, krass, das ist es.“ Manchmal sind genau die ungeplanten Momente die besten Videos. Wichtig ist auch, mit wem du filmst: Ich brauche jemanden, dem ich vertraue, sonst bin ich verspannt und habe eine Blockade. Mit unserem Kameramann passt der Vibe, und dann kann ich einfach machen. Wir haben sogar Videos mit Skripten gedreht – DIN-A4-Blatt für ein Reel – aber ich merke: Wenn ich spontan rede, ist es besser. Authentisch gewinnt immer, weil die Leute sehen wollen, wer dahinter steckt.
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[BILD 3 – Behind the scenes]

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Was unterschätzen die meisten Menschen an Selbstständigkeit und Gastronomie?
Dass du immer dran bist. Wenn du krank bist, arbeitest du trotzdem. Wenig Schlaf, viele Gedanken, Kopfschmerzen, Verantwortung – nicht nur für dich, sondern für die Menschen, die mit dir arbeiten. Für mich hängen Existenzen dran: Familien. Das ist kein „Druck“, der dich zerstören muss, aber es ist eine Realität. Ich will, dass es den Leuten gut geht, und dafür musst du liefern. Ein Beispiel: Ich habe mir die Schulter gebrochen, Krankenwagen, Notaufnahme, Narkose – und mein erster Gedanke danach war: „Ich muss morgen arbeiten.“ Die haben mich ausgelacht, weil ich den Arm nicht bewegen konnte. Aber ich habe mich nachts um drei selbst entlassen und habe die OP drei Wochen verschoben, weil ich den Laden nicht schließen konnte. Das ist die Kehrseite.
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Warum war jetzt der richtige Zeitpunkt für einen zweiten Standort in Stuttgart-Mitte?
Wir wollten schon länger einen Standort in Stuttgart, aber der richtige Laden war nicht dabei. Jetzt hat es sich ergeben, weil ein Objekt frei wurde – und wir hatten Glück, dass wir die Vermieter mit dem Konzept überzeugen konnten. Es gab wohl viele Interessenten, auch starke Player, und trotzdem haben wir uns durchgesetzt. Die Entscheider kamen sogar Pizza essen und haben sich selbst ein Bild gemacht. Dann haben wir hier radikal umgebaut: alles rausgerissen, drei Monate Baustelle, Bauleiter, Handwerker, teils viele Leute gleichzeitig, damit es schnell fertig wird. Dazu kam auch das Design-Thema: Street-Vibe, Neapel an der Wand, Graffiti – weil L`Artista nicht geschniegelt sein will, sondern ehrlich. Und das Spannende: Auch älteres Publikum feiert es.
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Was bedeutet Wachstum für dich persönlich – größer werden oder besser werden?
Beides – aber in der richtigen Reihenfolge. Ich will größer werden, ja, ich will multiplizieren. Aber „größer“ ohne „besser“ bringt nichts, weil dann verlierst du das, was dich stark gemacht hat: Qualität und Fokus. Ich habe am Anfang bewusst auf Umsatz verzichtet: weniger Sitzplätze, lieber Qualität sichern, als den Laden voll machen und am Ende unzufriedene Gäste haben. Das ist für mich Wachstum: nicht nur mehr Läden, sondern ein System, das die Standards hält. Und ich merke auch: Wachstum ist nicht nur Zahlen, sondern Momentum. Früher hast du mit einem Sack Mehl gestartet und bist mit dem Smart neun Cola-Kisten gefahren. Heute bestellst du Paletten. Dieser Step ist Wachstum. Aber der Anspruch bleibt: „Ich bin noch nicht an meinem Geschmack-Ziel.“ Also: besser werden ist Pflicht, größer werden ist Strategie.
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Wie gehst du mit Druck, Erwartungen und Verantwortung um?
Ich bin ein Overthinker. Ich denke weiter, wenn ich aus dem Laden raus bin – bis drei, vier Uhr nachts. Mein Zwillingsbruder kann abschalten, ich nicht. Das ist gut fürs Unternehmen, aber nicht immer gut für die Gesundheit. Ich versuche, mich an einen Satz zu halten: Am Ende wird alles gut. Ich weiß, dass ich oft zwei Gedanken zu viel mache, über Worst-Case-Szenarien, die vielleicht nie eintreffen. Aber ich habe lieber das, als blind zu sein. Und ich sehe Druck nicht als „Problem“, sondern als tägliche Herausforderung. Wenn du Verantwortung hast – Team, Familien, Qualität, Standort – dann kannst du nicht einfach „heute keine Lust“ sagen. Mein Ausgleich ist oft Arbeit, auch wenn ich weiß, dass das nicht gesund klingt. Aber so bin ich gerade gebaut. Und ich arbeite daran, trotzdem nicht kaputtzugehen.
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Wenn L`Artista Pizza keine Pizzeria wäre – was für eine Marke wäre es dann?
Streetwear. Safe. Weil L`Artista mehr Lifestyle ist als „nur Essen“. Viele schreiben mir, fragen nach Klamotten, nach Marken, nach dem Style. Diese Sonnenbrille ist inzwischen ein Markenzeichen, und der ganze Laden ist so gebaut, dass er „Straße“ atmet: Wandkunst, Neapel-Vibe, ein bisschen rough, aber bewusst. Ich habe früher sogar schon Klamotten designt, damals für Rock am Ring, produziert in Prag. Heute ist Streetwear zwar ein Haifischbecken, weil jeder Zweite Drops macht – aber vom Gefühl her passt es zu L`Artista: Ghetto/Street, aber mit Qualität. Und so wie wir Pizza auf zwölf starke Produkte fokussieren, würde ich es auch bei Kleidung machen: nicht alles, sondern das, was wirklich sitzt. L`Artista wäre dann nicht „Mode“, sondern Attitüde.
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Wo siehst du dich und L`Artista Pizza in fünf Jahren – und was soll sich auf keinen Fall verändern?
In fünf Jahren will ich operativ skaliert haben – mindestens vierzig Standorte, am besten nicht nur lokal, sondern multipliziert, mit Franchise als klarer Weg. Wir bauen jetzt schon alles so, dass es franchise-ready ist: Corporate Identity, Kartons, eigener Kaffee, Standards – dieses ganze System. Und ich bin offen für Franchise-Anfragen, sehr gerne. Aber was sich nicht verändern darf: der Kern. Fokus auf Qualität, echte Zutaten, kein Bauchladen, kein „Hauptsache Umsatz“. Und diese Echtheit. Social Media darf nie zur Maske werden. Ich will nicht aufgesetzt sein, ich will bleiben, wie ich bin. Und wenn ich irgendwann wirklich das Gefühl habe, ich bin an diesem „Neapel-Geschmack“ angekommen, dann weiß ich: Ich habe nicht nur expandiert, sondern meinen Anspruch gehalten. Das ist die eigentliche Mission.
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„Am Ende wird alles gut.“
(Nico über Druck, Overthinking und Durchziehen)
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Fazit
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L`Artista Pizza ist kein „wir machen halt Pizza“-Projekt. Es ist ein konsequentes Setup aus Erinnerung, Anspruch und System: Fokus statt Bauchladen, Qualität statt Masse, Vibe statt Fassade. Nico hat nicht „einfach Glück gehabt“ – er hat mit 7.000 Euro angefangen, täglich offen gehabt, mit dem Smart Kisten geschleppt und sich Schritt für Schritt hochgebaut. Heute steht ein zweiter Standort in Stuttgart-Mitte, ein brandfähiges Franchise-Fundament und ein Social-Media-Auftritt, der nicht aus Skript, sondern aus Haltung lebt.
Und das Entscheidende: Trotz Außenwirkung bleibt er in seiner eigenen Definition. Nicht Rapper. Nicht Showfigur. Sondern jemand, der einen Geschmack verfolgt – so lange, bis er ihn wirklich wiederfindet.
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Besuch & Anfahrt – L`Artista
Adresse:
L´Artista
Eberhardstraße 69-71
70173 Stuttgart
👉 weitere Infos finden Sie unter: L´Artista
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Anfahrt & Route:
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