5 Euro für Monrepos und plötzlich ist uns Natur zu teuer?
Ein Kommentar über Parkgebühren, unsere Erwartungen und die Frage, welchen Wert wir besonderen Orten eigentlich geben.
📍 Ludwigsburg
🌳 Monrepos
💬 Kommentar
⏱️ 2 Min. Lesezeit

Vor einigen Tagen saß ich mit Felix Sommerrock, Hoteldirektor des Schlosshotels Monrepos, für unseren Podcast vor der Kamera. Abseits der eigentlichen Aufnahme kamen wir auf ein Thema zu sprechen, das in Ludwigsburg gerade erstaunlich viele Emotionen auslöst: die neuen Parkgebühren am Monrepos.
Seit dem 1. August kostet das Parken auf der Domäne Geld. Die maximale Tagesgebühr beträgt fünf Euro. Und offenbar reicht das bereits, um eine Grundsatzdiskussion auszulösen.
Ich verstehe zunächst jeden, der sagt: Schon wieder wird etwas teurer. Gerade in Zeiten, in denen gefühlt an jeder Ecke die Preise steigen, ist Begeisterung über eine neue Gebühr vermutlich zu viel verlangt.
Aber vielleicht lohnt sich ein zweiter Blick.
Kostenlos war der Parkplatz nie
Denn nur weil wir Besucher bisher nichts bezahlt haben, war der Parkplatz nicht kostenlos.
Mehr als 30 Jahre gab es eine Vereinbarung zwischen der Hofkammer des Hauses Württemberg und der Stadt Ludwigsburg. Die Stadt übernahm Pflege und Unterhalt des Parkplatzes, im Gegenzug stand der Parkplatz den Besuchern kostenlos zur Verfügung. Diese Vereinbarung ist inzwischen ausgelaufen. Die Verantwortung liegt wieder vollständig beim Eigentümer.
Das verändert für mich die Perspektive.
„Denn irgendjemand bezahlt immer. Die Frage ist lediglich: Wer?“
Für einen Matcha sechs Euro, für Monrepos fünf?
Und genau da beginnt für mich der interessante Teil der Diskussion.
Wir fahren in die Innenstadt und bezahlen selbstverständlich fürs Parkhaus. Wir kaufen einen Matcha für 6 Euro. Wir geben für ein Fast-Food-Menü 15 Euro aus. Für einen Cocktail sind zehn oder zwölf Euro längst keine Überraschung mehr.
Natürlich darf jeder selbst entscheiden, wofür er sein Geld ausgibt.
Aber bei maximal fünf Euro Parkgebühr für einen ganzen Tag an einem der schönsten Naherholungsorte der Region entsteht plötzlich Empörung?
Das finde ich zumindest bemerkenswert.

Ein Ort, der weit mehr ist als ein Parkplatz
Eine weitläufige Kulturlandschaft, den See, das Seeschloss, alte Bäume, Wiesen, Spazierwege und vor allem etwas, das inzwischen ebenfalls einen Wert besitzt: Ruhe.
Die Domäne umfasst rund 120 Hektar und bleibt weiterhin frei zugänglich. Bezahlt wird nicht der Spaziergang, nicht der See und nicht die Natur, bezahlt wird das Abstellen des Autos auf privatem Grund. Wer zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt, zahlt weiterhin nichts.
Schönheit erhält sich nicht von selbst
Vielleicht haben wir uns zu sehr daran gewöhnt, dass schöne öffentliche oder öffentlich zugängliche Orte einfach da sind.
Aber eine Anlage wie Monrepos pflegt sich nicht von alleine.
Flächen müssen unterhalten werden. Infrastruktur kostet Geld. Müll verschwindet nicht von selbst. Bäume und Grünanlagen benötigen Pflege. Wege und Parkflächen müssen instand gehalten werden.
Nach Angaben der Hofkammer sollen die Einnahmen aus der neuen Parkraumbewirtschaftung vollständig in den Erhalt und die Weiterentwicklung der Infrastruktur der Domäne fließen. Gleichzeitig soll das neue System wildes Parken reduzieren und die stark frequentierten Flächen besser ordnen.
Man kann darüber diskutieren, wie hoch eine Gebühr sein sollte. Man kann über Ausnahmen sprechen. Man kann auch das konkrete Parksystem kritisieren.
Aber die Erwartung, dass die Nutzung einer Infrastruktur grundsätzlich kostenlos sein müsse, nur weil sie jahrzehntelang kostenlos war, halte ich für schwieriger.
Vielleicht diskutieren wir über die falschen fünf Euro
Und genau deshalb geht es mir bei diesem Beitrag eigentlich gar nicht um einen Parkplatz.
Es geht um Wertschätzung.
Wir bezahlen heute selbstverständlich für sehr viele Dinge, die uns für wenige Minuten Freude bereiten. Gleichzeitig tun wir uns erstaunlich schwer damit, einen kleinen Beitrag für Orte zu akzeptieren, an denen wir Stunden verbringen können.
„Vielleicht sollten wir deshalb gelegentlich nicht nur fragen: Warum muss ich dafür jetzt bezahlen? Sondern auch: Was bekomme ich eigentlich dafür?“
Monrepos heißt übersetzt sinngemäß „meine Ruhe“. Seit mehr als 260 Jahren steht dieser Ort für Erholung, Natur und Begegnung.
Vielleicht sind fünf Euro für einen ganzen Tag „meine Ruhe“ am Ende nicht das größte Problem unserer Zeit.
Vielleicht ist die spannendere Frage, warum uns ein Matcha manchmal mehr wert ist als der Ort, an dem wir ihn in Ruhe trinken könnten.
Gastronomie besuchen?
Nach den Parkgebühren fragen
Wer seinen Ausflug nach Monrepos mit einem Besuch im Schlosshotel Monrepos oder der Gastronomie auf der Domäne verbindet, sollte sich vor Ort nach den jeweiligen Parkkonditionen erkundigen.
Für Gäste und Nutzer der Einrichtungen auf der Kerndomäne sind kostenfreie beziehungsweise vergünstigte Parkmöglichkeiten vorgesehen. Die konkrete Regelung kann je nach Betrieb unterschiedlich sein.
Wie viel ist uns Monrepos wert?
Sind maximal fünf Euro Parkgebühr am Monrepos für euch angemessen – oder sollte ein Naherholungsgebiet wie dieses grundsätzlich kostenloses Parken anbieten?
Hinweis: Dieser Beitrag ist ein redaktioneller Kommentar des KD Magazins. Grundlage sind öffentlich zugängliche Informationen zur Parkraumbewirtschaftung der Domäne Monrepos sowie ein persönliches Gespräch mit Felix Sommerrock, Hoteldirektor des Schlosshotels Monrepos.













