Zwischen Tradition und moderner Raumgestaltung
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Matthias Riegraf über echtes Handwerk, Emotionen im Wohnen und warum Räume weit mehr sind als nur vier Wände
Seit 1948 steht der Familienbetrieb Riegraf für handwerkliche Qualität, Beständigkeit und die Fähigkeit, sich immer wieder neu weiterzuentwickeln. Heute führt Matthias Riegraf das Unternehmen bereits in dritter Generation und verbindet dabei klassische Werte mit modernen Ideen der Raumgestaltung. Nach seiner Ausbildung im eigenen Betrieb absolvierte er die Meisterschule in Stuttgart und übernahm im Jahr 2008 offiziell die Verantwortung für das Unternehmen.
Wer Matthias Riegraf begegnet, merkt schnell, dass es ihm nicht nur um Farbe oder Oberflächen geht. Es geht um Atmosphäre, um Emotionen und darum, wie Menschen sich in ihren eigenen vier Wänden fühlen. Mit dem Showroom „Edle Räume“ hat er einen Ort geschaffen, an dem Kunden Gestaltung nicht nur sehen, sondern erleben können. Genau darin liegt auch der Unterschied zu vielen klassischen Handwerksbetrieben.
Im Gespräch mit KD Magazin spricht Matthias Riegraf über Familiengeschichte, moderne Wohnkonzepte, psychologisches Feingefühl im Kundenkontakt und darüber, weshalb gutes Handwerk weit über die reine Umsetzung hinausgeht.
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Seit 1948 im Handwerk und trotzdem moderner als viele neue Betriebe
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Die Fragen wurden gestellt vom KD Magazin.
Die Antworten stammen von Matthias Riegraf, Inhaber Edle Räume Bietigheim und Riegraf Malerwerkstätte udwigsburgigsburg
estellt vom KD Magazin.–
Dein Betrieb besteht seit 1948. Wenn du heute durch dein Unternehmen gehst, spürst du eher Stolz, Druck oder Verantwortung?
Definitiv Stolz. Wenn ein Familienbetrieb über so viele Jahrzehnte hinweg bestehen bleibt, ist das etwas Besonderes. Gerade im Handwerk sieht man immer wieder Unternehmen, die irgendwann verschwinden oder keinen Nachfolger finden. Deshalb empfinde ich große Dankbarkeit dafür, dass unser Betrieb heute noch existiert und sich weiterentwickeln konnte. Natürlich trägt man Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Kunden, aber im Vordergrund steht für mich die Freude darüber, diesen Weg weiterführen zu dürfen. Es zeigt auch, dass die Generationen vor uns vieles richtig gemacht haben und dass Vertrauen über Jahrzehnte hinweg wachsen kann.
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Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde: Jetzt liegt dieses Lebenswerk wirklich in deinen Händen?
Das war eher ein schleichender Prozess. Mein Vater hat nie Druck gemacht und gesagt, dass ich den Betrieb übernehmen muss. Ich hätte auch einen ganz anderen Weg einschlagen können. Mit der Zeit wurde mir aber bewusst, dass ich genau das machen möchte. Als wir den Betrieb schließlich übernommen und zur GmbH umgewandelt haben, kam dieses Gefühl natürlich stärker auf. Man merkt plötzlich, dass Entscheidungen langfristige Auswirkungen haben. Gleichzeitig war es aber auch ein sehr schöner Schritt, weil ich wusste, dass ich etwas weiterführen darf, das über viele Jahre aufgebaut wurde.
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Welche Traditionen waren so prägend, dass du sie nie hinterfragt hast und welche musstest du bewusst verändern, um weiterzukommen?
Ein Punkt stand bei uns immer im Mittelpunkt und das war Qualität. Egal ob früher einfache Malerarbeiten oder heute aufwendige Gestaltungstechniken umgesetzt wurden, das Ergebnis musste sauber und hochwertig sein. Das wurde mir von klein auf vermittelt. Gleichzeitig musste man lernen, mit der Zeit zu gehen. Moderne Maschinentechnik oder neue Materialien sind heute enorm wichtig. Früher wurde vieles rein manuell gemacht. Heute gibt es Möglichkeiten, die körperliche Belastung für Mitarbeiter deutlich zu reduzieren und gleichzeitig präziser zu arbeiten. Solche Entwicklungen muss man annehmen, wenn man dauerhaft bestehen möchte.
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„Ein Raum sollte nicht einfach nur funktionieren. Er sollte etwas auslösen.“
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Wo bist du heute ganz bewusst anders als die Generation vor dir?
Ich beschäftige mich deutlich stärker mit Themen wie Präsentation, Raumwirkung und Kundenberatung. Früher war vieles funktionaler aufgebaut. Heute erwarten Menschen Inspiration und ein Erlebnis. Deshalb war der Schritt zum Showroom für mich wichtig. Kunden möchten sehen, fühlen und erleben, wie Materialien oder Oberflächen wirken. Außerdem spielt Weiterbildung heute eine größere Rolle. Man muss offen bleiben für neue Ideen, moderne Gestaltungsmöglichkeiten und auch für psychologische Aspekte im Umgang mit Menschen. Das Handwerk besteht längst nicht mehr nur aus Ausführung, sondern auch aus Kommunikation und kreativer Beratung.
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Viele sehen im Malerhandwerk einfach Wände streichen. Was verstehst du unter deinem Handwerk wirklich?
Für mich bedeutet Handwerk, Räume mit Charakter zu schaffen. Natürlich gehört das klassische Streichen weiterhin dazu, aber die Möglichkeiten gehen heute viel weiter. Oberflächen können Emotionen erzeugen und einem Raum eine völlig andere Wirkung geben. Materialien, Farben, Licht und Strukturen beeinflussen, wie wir uns fühlen. Genau das macht diesen Beruf für mich spannend. Es geht nicht nur darum, etwas technisch sauber umzusetzen. Es geht darum, Menschen ein Zuhause zu schaffen, in dem sie sich wohlfühlen und gerne Zeit verbringen. Das macht aus einem Auftrag etwas Persönliches.
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Ab wann wird ein Auftrag für dich mehr als nur ein Projekt und zu einem durchdachten Gesamtkonzept?
Das beginnt eigentlich schon beim ersten Gespräch. Sobald ein Kunde in unseren Showroom kommt, versuche ich herauszufinden, wie er lebt, was ihm wichtig ist und welche Atmosphäre er sich wünscht. Daraus entwickelt sich dann Schritt für Schritt ein Konzept. Oft merken Kunden selbst erst während des Gesprächs, welche Möglichkeiten überhaupt existieren. Genau deshalb ist Beratung so wichtig. Wenn man die Persönlichkeit und die Wünsche eines Menschen versteht, entsteht daraus automatisch ein stimmiges Gesamtbild. Dann geht es nicht mehr nur um eine Wand oder eine Farbe, sondern um das gesamte Wohngefühl.
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Warum hochwertige Räume weit mehr sind als schöne Wände
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Du wurdest als Maler des Jahres ausgezeichnet. Was machst du heute anders als der Großteil der Branche?
Ich glaube, wir denken Räume ganzheitlicher. Viele konzentrieren sich rein auf die technische Umsetzung. Für uns spielt aber die Wirkung eines Raumes eine große Rolle. Der Showroom ist dafür ein gutes Beispiel. Kunden können Gestaltung direkt erleben und besser verstehen, wie Materialien oder Oberflächen wirken. Außerdem investieren wir viel Zeit in Weiterbildung und neue Techniken. Themen wie fugenlose Bäder, Wanddruck oder besondere Spachteltechniken gehören heute selbstverständlich dazu. Wichtig ist auch der persönliche Umgang mit Kunden. Menschen merken sehr schnell, ob jemand mit Leidenschaft arbeitet oder einfach nur seinen Auftrag erledigt.
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Wodurch hebt sich dein Betrieb wirklich spürbar von anderen ab?
Ein großer Unterschied ist sicher unser Showroom „Edle Räume“. Viele Kunden erleben dort zum ersten Mal, wie unterschiedlich Oberflächen und Raumgestaltung wirken können. Man kann Materialien anfassen, Lichtwirkungen sehen und sich besser vorstellen, wie ein Raum später aussehen wird. Außerdem legen wir viel Wert auf persönliche Beratung und auf einen menschlichen Umgang. Kunden sollen sich gut aufgehoben fühlen. Hinzu kommt unsere Erfahrung aus mehreren Generationen. Dieses Zusammenspiel aus Tradition, moderner Gestaltung und persönlicher Betreuung macht uns aus und sorgt dafür, dass viele Kunden über Jahrzehnte hinweg bei uns bleiben.
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Mit deinem Showroom „Edle Räume“ gehst du einen eher ungewöhnlichen Weg. War das Mut oder eine klare Vision?
Es war wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Die Idee eines Showrooms gab es schon lange. Irgendwann ergab sich dann die passende Möglichkeit und wir haben entschieden, es wirklich umzusetzen. Für mich war wichtig, einen Ort zu schaffen, an dem Kunden Gestaltung erleben können. Viele Dinge lassen sich mit kleinen Mustern einfach nicht richtig vermitteln. Erst wenn Menschen einen Raum betreten und die Atmosphäre spüren, verstehen sie die Wirkung bestimmter Materialien oder Farben. Genau deshalb war dieser Schritt für uns enorm wichtig und rückblickend definitiv die richtige Entscheidung.
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Was passiert emotional mit einem Kunden, wenn er diesen Raum betritt?
Viele sind zunächst überrascht, weil sie so etwas von einem klassischen Malerbetrieb nicht erwarten. Häufig entsteht sofort dieses besondere Gefühl von Wärme und Atmosphäre. Kunden beginnen automatisch, genauer hinzuschauen und sich inspirieren zu lassen. Genau darum geht es auch. Räume sollen Emotionen auslösen und Menschen ein gutes Gefühl geben. Oft kommen Kunden mit einer ganz konkreten Vorstellung und entdecken hier plötzlich neue Möglichkeiten, über die sie vorher nie nachgedacht hätten. Dieser Moment ist für mich immer spannend, weil man merkt, wie sich die Wahrnehmung verändert und Ideen entstehen.
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„Menschen investieren nicht nur in schöne Räume. Sie investieren in ein Gefühl.“
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Was versteht ein Kunde dort plötzlich, was er vorher trotz Mustern oder Beratung nie wirklich greifen konnte?
Die tatsächliche Wirkung eines Raumes. Kleine Muster oder Bilder im Internet reichen oft nicht aus, um Materialien richtig einschätzen zu können. Erst wenn man Oberflächen in größerem Format sieht und erlebt, wie Licht darauf fällt, versteht man den Unterschied. Auch die Kombination verschiedener Elemente wird dadurch greifbarer. Viele Kunden erkennen erst hier, wie stark Farben, Strukturen oder Lichtstimmungen die Atmosphäre beeinflussen können. Genau deshalb ist ein Showroom so wertvoll. Menschen können Gestaltung nicht nur sehen, sondern emotional wahrnehmen und sich dadurch viel sicherer bei Entscheidungen fühlen.
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Wie definierst du heute modernes Wohnen und was hat sich in den letzten Jahren verändert?
Modernes Wohnen bedeutet für mich, dass Räume zur Persönlichkeit der Menschen passen. Früher stand oft die Einrichtung im Mittelpunkt. Heute erkennen viele, dass auch Wände, Decken und Böden den Charakter eines Raumes prägen. Gleichzeitig ist das Bedürfnis nach Ruhe und Wohlgefühl deutlich stärker geworden. Menschen verbringen wieder mehr Zeit zuhause und achten stärker darauf, wie sich ein Raum anfühlt. Materialien wie Kalk oder Lehm sowie natürliche Farbtöne gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung. Wohnen soll heute nicht nur praktisch sein, sondern ein Ort, an dem man abschalten und neue Energie sammeln kann.
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Matthias Riegraf zeigt, weshalb gutes Handwerk heute auch Menschenverständnis braucht
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Warum investieren Menschen bewusst in hochwertige Räume und was kaufen sie deiner Meinung nach wirklich?
Im Grunde kaufen sie Emotionen und Lebensqualität. Ein hochwertig gestalteter Raum vermittelt Ruhe, Wärme und Geborgenheit. Viele unterschätzen, wie stark Räume unser tägliches Wohlbefinden beeinflussen. Menschen investieren oft in sichtbare Statussymbole, vergessen dabei aber, wie wichtig das eigene Zuhause eigentlich ist. Gerade nach stressigen Tagen merkt man, wie sehr Atmosphäre und Gestaltung auf die eigene Stimmung wirken können. Deshalb entscheiden sich immer mehr Menschen bewusst dafür, ihr Zuhause aufzuwerten. Es geht nicht nur um schöne Optik, sondern darum, sich in den eigenen vier Wänden wirklich angekommen zu fühlen.
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Wo beginnt für dich ein gutes Projekt. Bei der ersten Beratung oder erst bei der Umsetzung?
Ganz klar bei der ersten Begegnung. Dort merkt man sehr schnell, wie ein Mensch denkt, was ihm wichtig ist und welche Vorstellungen er hat. Ein gutes Projekt entsteht nur, wenn man gemeinsam eine Richtung findet und Vertrauen aufbaut. Die technische Umsetzung ist natürlich wichtig, aber ohne ein gutes Verständnis für den Kunden funktioniert das Ganze nicht richtig. Beratung bedeutet für mich auch zuzuhören und nicht einfach etwas aufzudrängen. Menschen sollen sich mit dem Ergebnis identifizieren können. Genau dann entsteht am Ende ein Raum, der wirklich zu ihnen passt.
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„Wer sich zuhause wirklich wohlfühlt, merkt erst dann, wie wichtig gute Raumgestaltung eigentlich ist.“
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Wenn du in die Zukunft blickst. Wofür soll dein Name und dein Unternehmen in dieser Branche einmal stehen?
Ich wünsche mir, dass Menschen unseren Namen mit Qualität, Vertrauen und außergewöhnlicher Raumgestaltung verbinden. Unser Ziel ist es, in der Region als erste Adresse wahrgenommen zu werden, wenn jemand hochwertige Gestaltung oder besondere Lösungen sucht. Gleichzeitig soll aber dieses Familiäre und Persönliche erhalten bleiben. Trotz aller Weiterentwicklung darf nie verloren gehen, dass hinter dem Unternehmen echte Menschen stehen. Wenn Kunden sagen, dass sie sich bei uns verstanden und gut aufgehoben fühlen, dann haben wir vieles richtig gemacht. Genau dafür möchten wir auch in Zukunft stehen.
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Fazit
Das Gespräch mit Matthias Riegraf zeigt eindrucksvoll, wie sehr sich modernes Handwerk verändert hat. Es geht längst nicht mehr nur um technische Ausführung oder klassische Malerarbeiten. Vielmehr entsteht hier eine Verbindung aus Erfahrung, Kreativität, Menschenverständnis und dem Wunsch, Räume mit echter Atmosphäre zu schaffen.
Besonders beeindruckend ist dabei die Balance zwischen Tradition und Weiterentwicklung. Ein Familienbetrieb, der seit 1948 besteht, könnte sich auf Vergangenem ausruhen. Stattdessen entwickelt Matthias Riegraf neue Ideen, investiert in moderne Gestaltungsmöglichkeiten und schafft mit seinem Showroom einen Ort, an dem Kunden Wohnen neu erleben können.
Am Ende wird deutlich, dass hochwertige Raumgestaltung weit mehr ist als reine Optik. Räume beeinflussen unser Wohlbefinden, unsere Stimmung und die Art, wie wir leben. Genau dieses Verständnis zieht sich durch das gesamte Gespräch und macht klar, weshalb Handwerk auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird.
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Besuch & Anfahrt – Edle Räume Bietigheim
Adresse:
Friedrich-Ebert-Straße 17, 74321 Bietigheim-Bissingen
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👉 weitere Infos finden Sie unter: Maler Riegraf
👉 weitere Infos finden Sie unter: Instagram: edle_raeume-bietigheim
Öffentliche Verkehrsmittel:
VVS Routenplanung
Anfahrt & Route:
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Google Maps Route Edle Räume Bietigheim
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