
Wusstest du, dass Stuttgarts erster namentlich bekannter Bürger ein Weingärtner war, mitten in der Stadt Syrah wächst und viele unserer Stäffele ursprünglich zu Weinbergen führten? Stuttgart steckt voller Wein-Funfacts, die selbst viele Einheimische nicht kennen.
Als gebürtige Stuttgarterin und Content Creatorin (die an einem Weinberg aufgewachsenen ist, siehe mein Artikel zum Schimmelhüttenweg) liebe ich genau solche Geschichten, denn sie zeigen eine Seite meiner Heimatstadt, die zwischen Baustellen, Autos und Kessellage oft übersehen wird.
Besonders sichtbar wird diese Verbindung jedes Jahr beim Stuttgarter Weindorf. 2026 findet es zum 50. Mal statt und verwandelt den Markt- und Schillerplatz sowie die Kirchstraße wieder in ein großes Weinviertel. Das Fest beginnt in der zweiten Augusthälfte und läuft bis Anfang September. Die gemütlichen Lauben stehen direkt zwischen Rathaus, Stiftskirche und Altem Schloss.
Genau das ist bereits der erste Fun Fact: In kaum einer anderen Großstadt liegt ein traditionsreiches Weinfest so zentral. Das erste Weindorf fand 1976 statt. Die typischen Holzlauben, die heute zur Atmosphäre gehören, kamen allerdings erst später hinzu.

Warum Wein für Stuttgart so wichtig ist, zeigt ein Blick in die Geschichte. Der erste namentlich bekannte Stuttgarter Bürger hieß Buzze und bewirtschaftete im Jahr 1250 Weinberge im heutigen Stuttgarter Westen. Mitte des 14. Jahrhunderts waren fast alle geeigneten Hänge des Talkessels mit Reben bepflanzt. 1594 umfasste die Rebfläche rund 1.260 Hektar. Damit war Stuttgart nach Würzburg die zweitgrößte Weinbaugemeinde Deutschlands. Wein war also nicht einfach ein Getränk, sondern über Jahrhunderte eine wichtige Lebensgrundlage und prägte Berufe, Landschaft und Alltag.

Auch heute wachsen in Stuttgart auf rund 423 Hektar Reben, teilweise direkt zwischen Häusern, Straßen und Parks. Dazu passt ein weiterer ungewöhnlicher Fakt: Stuttgart besitzt als einzige deutsche Großstadt ein eigenes städtisches Weingut. Es bewirtschaftet rund 16 Hektar in verschiedenen Lagen, darunter die Mönchhalde, den Hasenberg, die Cannstatter Halde, das Cannstatter Zuckerle und den Obertürkheimer Kirchberg. Seit 2023 ist der Betrieb vollständig nach Bioland-Richtlinien zertifiziert.
Syrah.
Mitten in Stuttgart.

Wer bei Stuttgarter Wein nur an Trollinger denkt, unterschätzt die Vielfalt. Natürlich gehören Trollinger, Lemberger und Riesling zu den Klassikern. Daneben wachsen Weißburgunder, Kerner, Muskat-Trollinger, Merlot und Cabernet Sauvignon. Besonders überraschend finde ich den Syrah am Hasenberg. Die fast vollständige Südausrichtung und die Mauern des Terrassenweinbergs sorgen dort für ein mediterranes Klima. Auf der Karlshöhe wächst außerdem die pilzwiderstandsfähige Sorte Sauvitage. Dadurch kann das städtische Weingut den Pflanzenschutz in dem Parkweinberg stark einschränken. Die Rebzeilen bleiben für Besucher zugänglich und machen den Weinberg zu einem Teil der Parkanlage.
Die Menschen hinter dem Wein
Collegium Wirtemberg
Weinmanufaktur Stuttgart
Weinfactum Bad Cannstatt
Wöhrwag
Currle
Zaiß
Wein vom Haigst
Hinter diesen Weinen stehen ganz unterschiedliche Menschen. In Stuttgart gibt es traditionsreiche Genossenschaften, Familienweingüter und kleine, junge Weinprojekte. Dazu zählen unter anderem das Collegium Wirtemberg, die Weinmanufaktur Stuttgart, das Weinfactum Bad Cannstatt sowie Weingüter wie Wöhrwag, Currle, Zaiß oder Wein vom Haigst. Letzteres bewirtschaftet historische Trollinger-Weinberge am Schimmelhüttenweg. Dort war ich selbst bei einer Weinvorstellung und habe erlebt, wie viel Handarbeit, Wissen und persönliche Geschichte in diesen versteckten Hängen steckt.
Ein weiterer Fun Fact begegnet uns beim Spazierengehen: Viele der mehr als 400 Stuttgarter Stäffele entstanden ursprünglich als Zugänge zu den Weinbergen. Wer heute diese Treppen hinaufsteigt, läuft deshalb oft auf historischen Arbeitswegen der Wengerter. Diese Verbindung aus Stadt und Reben lässt sich am besten zu Fuß entdecken. Mein persönlicher Geheimtipp ist der Schimmelhüttenweg zwischen Degerloch und Marienplatz. Ebenfalls empfehlenswert sind der Weinwanderweg von Obertürkheim über Uhlbach und Rotenberg nach Untertürkheim sowie die Route vom Max-Eyth-See durch die Mühlhäuser Weinberge.
Mein Tipp zum Schluss: Es lohnt sich, nicht nur die Wanderwege auszuprobieren, sondern auch die lokalen Winzer zu unterstützen. Bei einem Wein Tasting oder einer geführten Weinprobe erfährst du noch viel mehr über Rebsorten, Böden, Trockenmauern und die Arbeit im Weinberg.

Und natürlich gehört ein Besuch auf dem Stuttgarter Weindorf dazu. Auch mit Kindern lohnt sich das Fest: An den beiden Familiensonntagen gibt es unter anderem Kinderschminken sowie Sport- und Spielangebote. So wird aus einem Glas Wein ein echtes Stuttgarter Erlebnis und aus einem bekannten Fest eine neue Entdeckungsreise durch die eigene Stadt.
Ankes Geheimtipp:
Der Schimmel-
hüttenweg
Weinberge, Stäffele und Stuttgart-Panorama: Entdecke Ankes persönlichen Weinwanderweg zwischen Degerloch und Marienplatz.
Stuttgarter Weindorf 2026
Weingut der Landeshauptstadt Stuttgart
Weinregion Stuttgart
Weinwanderwege in Stuttgart

Über das KD Magazin
Das KD Magazin berichtet über Unternehmen, Innovationen, Gastronomie, Kultur, Events und inspirierende Persönlichkeiten aus Stuttgart, Ludwigsburg und der Region. Mit Reportagen, Interviews und Hintergrundgeschichten möchten wir spannende Entwicklungen sichtbar machen und Menschen miteinander vernetzen.










