
Wo Gerlingen noch nach Wein, Holzofenbrot und Schnapskuchen schmeckt
📍 Gerlingen · Weinlaube Im Brückle
🏷️ Bio-Weingut · Besenwirtschaft · Brennerei · Hoflädle
⏱️ ca. 4 Minuten Lesezeit
✍️ Reporter: KD Creator Maria · Stuttgart Foodie
Ein Stück Gerlingen, das viele noch nicht kennen
Ein Bio-Weingut, eine Besenwirtschaft, eine eigene Brennerei und ein Hoflädle, in dem erstaunlich vieles aus eigener Herstellung stammt: Bei Familie Volz entdeckt man eine Seite von Gerlingen, die selbst manchen Einheimischen unbekannt sein dürfte.
Ich gebe zu: Gerlingen war für mich bisher nicht unbedingt der Ort, den ich als Erstes mit Weinbergen verbunden hätte. Und doch stehe ich plötzlich zwischen Reben und könnte anhand der Bilder genauso gut irgendwo im Remstal oder in einer anderen bekannten Weinregion rund um Stuttgart sein.
Dabei bin ich nur wenige Kilometer von Stuttgart entfernt, bei Familie Volz im „Im Brückle“. Und je länger ich hier bin, desto mehr frage ich mich, warum man von diesem Ort nicht viel öfter hört.

🍷 Marias Gastro-Check
📍 Ort
Weinlaube Im Brückle · Familie Volz
Im Brückle 3 · 70839 Gerlingen
🍇 Besonderheit
Bio-Weingut, Besenwirtschaft, eigene Brennerei und Hoflädle in einem Familienbetrieb.
🍽️ Entdeckt
Hausgemachte Spezialitäten, Wein aus eigenem Anbau sowie Brände und Liköre aus eigenen Früchten.
🌿 Regional
Weinberge und Obstanlagen werden biologisch bewirtschaftet.
✨ Marias Entdeckung
Ein Stück schwäbische Landkultur nur wenige Kilometer von Stuttgart entfernt.
Ein Stück Gerlinger Weingeschichte
Weinbau hat in Gerlingen eine lange Tradition – allerdings ist davon nicht mehr allzu viel übrig. Vor rund 300 Jahren waren hier etwa 140 Hektar mit Reben bepflanzt. Heute werden in Gerlingen nur noch rund sechs Hektar Weinberge bewirtschaftet. Vielleicht erklärt das auch, warum sich ein Besuch bei Familie Volz ein wenig wie die Begegnung mit einer langsam verschwindenden Welt anfühlt.
Die Familie betreibt Weinbau inzwischen in dritter Generation. 2011 begann die Umstellung auf ökologischen Anbau, seit Herbst 2014 wird Bio-Wein gelesen. Damit wurde der Familienbetrieb zum ersten Bio-Weingut Gerlingens. Auch die eigenen Obstanlagen werden biologisch bewirtschaftet.
Doch wer hierherkommt, muss keineswegs nur Weinliebhaber sein.
Ein Besen, in dem vieles wirklich hausgemacht ist
Seit 1975 gehört zum Betrieb eine Besenwirtschaft, die 2025 bereits ihr 50-jähriges Bestehen feiern konnte. Mehrmals im Jahr öffnet die Weinlaube für einige Wochen ihre Türen. Im Sommer sitzt man besonders schön draußen unter einem natürlichen Dach aus Weinreben.
Natürlich interessiert mich vor allem, was hier auf den Tisch kommt.

Ich starte mit hausgemachter Sülze und verschiedenen Wurstsorten. Danach kommen Schweinehals und Putensteak vom Grill. Mein heimlicher Favorit ist allerdings deutlich unscheinbarer: die Schupfnudeln. Sie werden hier im eigenen Schweineschmalz gebraten – und schmecken entsprechend gefährlich gut.
Und dann wäre da noch der Nachtisch. Schnapskuchen hatte ich tatsächlich noch nie gegessen. Bei Volz probiere ich ihn zum ersten Mal, zusammen mit hausgemachtem Eierlikör. Spätestens jetzt wird klar, dass das Prinzip „selbst gemacht“ hier ziemlich weit reicht.
🍽️ Marias Genussmomente
🥩 Herzhaft
Hausgemachte Sülze, verschiedene Wurstsorten, Schweinehals und Putensteak vom Grill.
🥔 Heimlicher Favorit
Schupfnudeln, gebraten im eigenen Schweineschmalz.
🍰 Zum Abschluss
Schnapskuchen mit hausgemachtem Eierlikör.
💗 Das Besondere
Das Prinzip „selbst gemacht“ zieht sich durch den gesamten Familienbetrieb.
Vom Obstbaum bis in die Flasche
Denn neben dem Weinbau betreibt die Familie eine eigene Brennerei. Aus selbst angebautem Obst entstehen Brände und Liköre – und die Auswahl ist erheblich größer, als ich erwartet hätte.
Quitte, Mirabelle, Kirsche, Zwetschge, verschiedene Birnensorten oder sogar Speierling finden sich im Sortiment. Dazu kommen unter anderem Walnuss-, Kirsch- und Weinbergpfirsichlikör sowie Eierlikör.

Was mich dabei besonders beeindruckt: Hinter all dem steht tatsächlich die Familie selbst. Weinberge und Obstanlagen, Wein und Brände, die vielen hausgemachten Produkte, Hoflädle und Besenwirtschaft – der Betrieb kommt ohne angestellte Mitarbeiter aus. Was hier entsteht, ist im wahrsten Sinne des Wortes Familienarbeit.
Und genau hier liegt für mich der eigentliche Reiz dieses Betriebs: Viele Produkte, die später im Glas, auf dem Teller oder im Regal landen, beginnen ein paar Arbeitsschritte vorher noch als Trauben oder Früchte aus eigenem Anbau.
Tradition trifft modernes Design
Eine besonders schöne Geschichte erzählt der Gerlinger Stadtwein. Familie Volz kümmert sich um den städtischen Weinberg am Steigle und baut dort Solaris an, eine pilzwiderstandsfähige Rebsorte. Gerade einmal rund 150 Liter Stadtwein entstehen im Jahr – von Massenproduktion kann hier also keine Rede sein.
Bemerkenswert ist aber nicht nur, was in der Flasche steckt, sondern auch, wie sie aussieht. Das Etikett des Gerlinger Stadtweins stammt von Andreas Uebele, einem renommierten deutschen Grafikdesigner. Sein Büro befindet sich in Stuttgart und hat unter anderem das Corporate Design des Deutschen Bundestags gestaltet.
Für den Stadtwein entwickelte Uebele ein bewusst reduziertes, typografisches Etikett. Aus „Gerlinger Steigle 2024 Solaris“ wird darauf fast ein kleines Buchstabenrätsel.

🎨 Wenn Wein auf Design trifft
🍇 Gerlinger Stadtwein
Solaris vom städtischen Weinberg am Steigle.
🍾 Kleine Menge
Nur rund 150 Liter Stadtwein entstehen im Jahr.
✏️ Gestaltung
Das Etikett stammt vom Stuttgarter Grafikdesigner Andreas Uebele.
🔤 Besonderheit
„Gerlinger Steigle 2024 Solaris“ wird auf dem Etikett fast zu einem kleinen Buchstabenrätsel.
Die Zusammenarbeit begann allerdings schon vorher. Andreas Uebele besitzt selbst einen Weinberg in Gerlingen. Familie Volz unterstützte ihn dabei, diesen auf ökologischen Anbau umzustellen und die alten Rebstöcke durch pilzwiderstandsfähige Sorten zu ersetzen.
Daraus entstand eine besondere Zusammenarbeit: Uebeles Büro entwickelte einen neuen Look für das gesamte Produktsortiment von Familie Volz. Das moderne, farbenfrohe Design findet man heute nicht nur auf den Weinflaschen, sondern auch auf Marmeladen, Likören und Schnäpsen – bis hin zu den Dosen mit hausgemachten Pasteten.

Und den neuen Auftritt finde ich wirklich gelungen: modern, farbenfroh und überraschend zeitgemäß. Ganz subjektiv – aus so einer schönen Flasche trinkt sich der Wein doch gleich noch ein bisschen besser. Und auch Marmelade oder Pastete machen im Regal mit einem guten Design einfach mehr her.
Da lag es nahe, anschließend auch dem Gerlinger Stadtwein einen eigenen neuen Auftritt zu geben.
Und dann ist da noch das Hoflädle
Nach dem Essen lohnt es sich, noch einen Blick ins kleine Hoflädle zu werfen. Hier steht vieles von dem im Regal, was man zuvor kennengelernt hat: eigene Bio-Weine, Säfte, Most, Fruchtaufstriche, Liköre, Schnäpse sowie Wurst und Pasteten. Dazu kommen Eier von den eigenen Hühnern und weitere Produkte.
Und dann wird hier auch noch selbst gebacken. Freitags und samstags kommen Bio-Bauernbrot und Bio-Dinkelvollkornbrot aus dem eigenen Holzofen, samstags gibt es zusätzlich Hefezopf.
Ein Stück schwäbische Landkultur
Es ist diese Mischung, die „Im Brückle“ für mich besonders macht. Nicht ein einzelnes spektakuläres Gericht und auch nicht nur der Wein. Sondern die Tatsache, dass hier noch angebaut, geerntet, verarbeitet, gebrannt, gebacken, gekocht und verkauft wird – und hinter all dem eine Familie steht.
Vielleicht muss man gerade deshalb solche Orte weitererzählen. Denn manchmal liegt das Stück schwäbische Landkultur, nach dem man anderswo lange sucht, direkt vor der Haustür.
📍 Alle Infos für euren Besuch
Weinlaube Im Brückle – Familie Volz
Im Brückle 3
70839 Gerlingen
🛍️ Hoflädle:
Dienstag–Freitag: 17–19 Uhr
Samstag: 9–11 Uhr
🍷 Sommerbesen 2026 noch bis 16. August:
Dienstag–Samstag: 12–23 Uhr
Sonntag: 12–21 Uhr
Montag: Ruhetag
📅 Nächste Besenzeit:
25. Oktober bis 15. November 2026
Aktuelle Termine und weitere Informationen gibt es auf der Website von Familie Volz sowie auf Instagram und TikTok.
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