Gemeinsam mit einer Freundin war ich bei der Vernissage der diesjährigen Ausstellung „Fumes and Perfumes“ im Stuttgarter Züblin-Parkhaus. Schon die Vorstellung, durch mehrere Etagen eines Parkhauses zu laufen, dabei großformatige Kunstwerke zu entdecken und immer wieder zum Nachdenken angeregt zu werden, macht diese Ausstellung für mich besonders.
Mit Steff Rosenberger-Ochs und Frank Bayh hatte ich bereits vor rund einem halben Jahr für das KD Magazin gesprochen. Schon bei unserem damaligen Austausch haben mich ihre Kreativität, ihre Bildsprache und ihre Sicht auf zeitgenössische Fotografie begeistert. Umso gespannter war ich darauf, die neue Ausstellung zu erleben und die beiden inmitten dieses außergewöhnlichen Projekts wiederzutreffen. Hinter „Fumes and Perfumes“ steht jedoch ein größeres Team. Neben Steff Rosenberger-Ochs und Frank Bayh gehören auch Peter Franck, Bernd Kammerer und Yves Noir zu den Machern der Ausstellung. Gemeinsam schaffen sie ein Format, das Kunst, Fotografie und außergewöhnliche Räume auf besondere Weise miteinander verbindet.
Ein Ort, an dem normalerweise Autos abgestellt werden, verwandelt sich in eine begehbare Galerie. Zwischen Beton, Fahrspuren und Parkdecks entstehen neue Perspektiven auf Fotografie, Kunst und den öffentlichen Raum.
Was ist „Fumes and Perfumes“?
„Fumes and Perfumes“ ist eine Ausstellung für zeitgenössische Fotografie, Fotokunst, Mixed Media und verwandte Kunstformen. Die großformatigen Arbeiten werden nicht in einer klassischen Galerie, sondern auf den verschiedenen Ebenen des Züblin-Parkhauses präsentiert. Das ungewöhnliche Ausstellungskonzept verbindet Kunst, Architektur und den Alltag der Stadt miteinander.
Wenn ein Parkhaus zur Galerie wird
Was mich an „Fumes and Perfumes“ besonders begeistert, ist der Ort selbst. Ein Parkhaus ist normalerweise ein Platz, den man möglichst schnell wieder verlassen möchte. Man stellt sein Auto ab, sucht den Ausgang und nimmt die Umgebung kaum bewusst wahr.
Bei dieser Ausstellung ist es genau umgekehrt. Wir gingen langsam durch die verschiedenen Ebenen, blieben immer wieder stehen und betrachteten die Arbeiten aus unterschiedlichen Entfernungen. Manche Bilder wirkten bereits aus der Ferne, andere entwickelten ihre Wirkung erst, wenn man unmittelbar vor ihnen stand.
Zwischen Betonwänden, Pfeilern, Fahrspuren und Parkmarkierungen entfalten die Werke eine völlig andere Wirkung als in einem klassischen Ausstellungsraum. Der rohe Charakter des Gebäudes bildet einen spannenden Kontrast zu den teilweise ästhetischen, surrealen, politischen oder bewusst irritierenden Motiven.
Das Parkhaus dient dabei nicht nur als Hintergrund. Seine Architektur, das Licht, die Geräusche und die sichtbaren Spuren des Alltags werden selbst Teil der Inszenierung. Genau diese Verbindung macht den Rundgang so außergewöhnlich.




Impressionen der Vernissage der diesjährigen Ausstellung „Fumes and Perfumes“ im Züblin-Parkhaus Stuttgart.
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Kunst, die keine fertigen Antworten liefert
Während wir durch die Ausstellung liefen, wurde schnell deutlich, wie unterschiedlich Kunst auf Menschen wirken kann. Manche Motive sprechen einen sofort an. Andere erschließen sich nicht auf den ersten Blick. Bei einigen Arbeiten bleibt man länger stehen, weil sie irritieren, Fragen auslösen oder eine Geschichte andeuten, die man selbst weiterdenken muss.
Genau das ist für mich gute Kunst. Sie muss nicht jedem gefallen und sie muss auch nicht immer sofort verständlich sein. Entscheidend ist, dass sie etwas auslöst – vielleicht Neugier, vielleicht Widerspruch oder einfach nur den Wunsch, noch einmal genauer hinzusehen.
Bei „Fumes and Perfumes“ entsteht dieser Zugang fast automatisch. Man muss kein Kunstexperte sein und auch nicht jedes Werk erklären können. Man darf durch die Ebenen laufen, beobachten, diskutieren und seine eigenen Gedanken entwickeln.
Ein Parkhaus ist normalerweise ein Ort, den man schnell wieder verlassen möchte. Hier bleibt man freiwillig stehen und schaut genauer hin.
Musik, Begegnungen und eine besondere Atmosphäre
Auch die Stimmung bei der Neueröffnung hat den Abend geprägt. Das Wetter spielte mit, Musik begleitete die Ausstellung und auf den verschiedenen Ebenen waren zahlreiche Menschen unterwegs. Einige betrachteten konzentriert die Kunstwerke, andere trafen Bekannte, unterhielten sich oder hielten ihre Eindrücke in Bildern und kurzen Videos fest.
Trotz der vielen Besucherinnen und Besucher wirkte die Atmosphäre entspannt. Es war keine steife Vernissage, bei der man das Gefühl hatte, sich besonders korrekt verhalten zu müssen. Vielmehr erinnerte der Abend an ein urbanes Sommerfest, bei dem Kunst, Musik und Begegnung selbstverständlich zusammengehörten.
Genau diese Mischung hat mir gefallen. Die Kunst stand im Mittelpunkt, gleichzeitig blieb genügend Raum für persönliche Gespräche. Meine Freundin und ich tauschten uns immer wieder über einzelne Motive aus.
Teilweise entdeckten wir in demselben Bild vollkommen unterschiedliche Geschichten.
Solche Momente zeigen, dass Kunst nicht nur aus dem besteht, was an einer Wand zu sehen ist. Sie entsteht auch durch die Gespräche, Gedanken und Reaktionen der Menschen, die sich mit ihr beschäftigen.

Die Vernissage der diesjährigen Ausstellung „Fumes and Perfumes“ lockte zahlreiche Besucher ins Züblin-Parkhaus und machte den außergewöhnlichen Ausstellungsort erneut zu einem Treffpunkt für Kunst- und Fotografiebegeisterte.
Warum solche Ausstellungen für Stuttgart wichtig sind
In einer Zeit, in der Bilder häufig nur noch wenige Sekunden auf einem Smartphone betrachtet und anschließend weitergewischt werden, ist eine Ausstellung wie diese ein wertvoller Gegenentwurf. Hier erhalten Bilder Raum. Sie sind groß, präsent und lassen sich nicht einfach mit einer kurzen Bewegung aus dem eigenen Blickfeld schieben.
Gleichzeitig bringt „Fumes and Perfumes“ Kunst an einen Ort, an dem sie auch Menschen erreicht, die vielleicht nicht bewusst eine klassische Galerie besuchen würden. Wer durch das Parkhaus läuft, begegnet den Arbeiten unmittelbar. Kunst wird dadurch zugänglicher und stärker zu einem Bestandteil des städtischen Alltags.
Für mich zeigt das Projekt, was entstehen kann, wenn Menschen den Mut haben, einen gewöhnlichen Ort vollkommen neu zu denken. Aus grauem Beton wird eine Ausstellungsfläche, aus einem Parkhaus ein Treffpunkt und aus einem alltäglichen Weg ein Rundgang, der neue Gedanken auslösen kann.
Die Ausstellung beweist, dass gute Kunst nicht ausschließlich in Museen oder Galerien stattfinden muss. Manchmal entfaltet sie gerade dort ihre größte Wirkung, wo man sie am wenigsten erwartet.
Ein Abend, der im Gedächtnis bleibt
Der Besuch bei „Fumes and Perfumes“ war für mich mehr als nur ein Rundgang durch eine Ausstellung. Es war ein Erlebnis, das gezeigt hat, wie stark Kunst wirken kann, wenn sie an einem unerwarteten Ort präsentiert wird.
Ich habe mich gefreut, die Macher der Ausstellung wiederzusehen und neue Arbeiten zu entdecken. Mein besonderer Dank gilt Steff Rosenberger-Ochs, Frank Bayh, Peter Franck, Bernd Kammerer und Yves Noir, die mit ihrem gemeinsamen Engagement diese außergewöhnliche Ausstellung möglich machen. Gemeinsam mit einer Freundin habe ich die Werke betrachtet, diskutiert und mich immer wieder gefragt, welche Gedanken sich hinter den einzelnen Arbeiten verbergen könnten.
Vielleicht ist genau das die größte Stärke von „Fumes and Perfumes“: Die Ausstellung bringt Kunst nicht nur zu den Menschen. Sie bringt Menschen miteinander ins Gespräch.
Drei Gründe, warum du die Ausstellung besuchen solltest
Ein außergewöhnlicher Ausstellungsort
Die Verbindung aus großformatiger Kunst und der rauen Architektur eines Parkhauses erzeugt eine Atmosphäre, die sich deutlich von einem klassischen Museumsbesuch unterscheidet.
Kunst ohne Zugangshürden
Du brauchst weder besondere Vorkenntnisse noch eine feste Führung. Du kannst die Ausstellung in deinem eigenen Tempo entdecken und selbst entscheiden, welche Werke dich ansprechen.
Ein neuer Blick auf Stuttgart
„Fumes and Perfumes“ zeigt, wie ein alltäglicher Ort durch kreative Ideen eine vollkommen neue Bedeutung erhalten kann. Der Besuch verbindet Kunst, Stadtleben und Entdeckung miteinander.
Fumes and Perfumes
📍 Standort
Züblin-Parkhaus
Lazarettstraße 5
70182 Stuttgart
🎨 Kurzinfo
„Fumes and Perfumes“ verwandelt mehrere Ebenen des Stuttgarter Züblin-Parkhauses in eine außergewöhnliche Galerie für zeitgenössische Fotografie, Fotokunst und Mixed Media.
Die Ausstellung kann zu Fuß besucht werden. Der Eintritt ist kostenlos. Da das Parkhaus regulär genutzt wird, sollte während des Rundgangs auf den Fahrzeugverkehr geachtet werden.
Unser Tipp:
Plane genügend Zeit ein und erkunde mehrere Parkdecks zu Fuß. Viele Arbeiten entfalten ihre Wirkung erst aus unterschiedlichen Perspektiven und Entfernungen.
Das Interview mit Steff Rosenberger-Ochs und Frank Bayh
Im ausführlichen Gespräch mit dem KD Magazin sprechen Steff Rosenberger-Ochs und Frank Bayh über die Entstehung von „Fumes and Perfumes“, ihre Leidenschaft für Fotografie, die Idee hinter dem außergewöhnlichen Ausstellungskonzept und warum Kunst manchmal genau dort am stärksten wirkt, wo man sie am wenigsten erwartet.









