Wie Jan Farkasch aus einer polarisierenden Kunstfigur eine der spannendsten Social-Media-Marken Deutschlands formte
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Wer Jan Farkasch zum ersten Mal persönlich begegnet, erlebt etwas, das nicht ganz zu dem Bild passen will, das Millionen Menschen von ihm aus den sozialen Medien kennen. Dort ist er „Betrugo“, eine Figur, die polarisiert, provoziert und mit bewusst überspitzten Aussagen regelmäßig Diskussionen auslöst. Im direkten Gespräch hingegen sitzt ein junger Unternehmer gegenüber, der seine Gedanken präzise formuliert, aufmerksam zuhört und eine erstaunliche Gelassenheit ausstrahlt. Während viele Influencer ihre Bekanntheit in den Mittelpunkt stellen, entsteht bei ihm schnell der Eindruck, dass Reichweite für ihn nie das eigentliche Ziel war, sondern vielmehr ein Werkzeug, mit dem sich deutlich größere Vorhaben verwirklichen lassen.
Je länger das Gespräch dauert, desto klarer wird, dass die öffentliche Figur und der Mensch dahinter zwar eng miteinander verbunden sind, aber dennoch zwei unterschiedliche Ebenen darstellen. Die Kunstfigur Betrugo ist laut, provokant und bewusst überzeichnet. Jan Farkasch hingegen wirkt reflektiert, analytisch und erstaunlich bodenständig für jemanden, dessen Inhalte jeden Monat Millionen Menschen erreichen. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis seines Erfolgs. Denn wer nur die Oberfläche betrachtet, sieht einen Social-Media-Charakter. Wer genauer hinschaut, erkennt einen Unternehmer, der sich seit Jahren intensiv mit Markenaufbau, Verkaufspsychologie und langfristigen Geschäftsmodellen beschäftigt.
Jan Farkasch gehört zu den bekanntesten Content Creatorn Deutschlands. Unter dem Namen Betrugo erreicht er mit seinen Videos ein Millionenpublikum und polarisiert bewusst mit einer Kunstfigur, die provoziert und unterhält. Im Gespräch mit dem KD Magazin spricht er offen über den Menschen hinter der Marke, den Aufbau erfolgreicher Unternehmen, den Wert von Reichweite und darüber, warum nachhaltiger Erfolg aus seiner Sicht vor allem mit Disziplin, strategischem Denken und der Bereitschaft beginnt, immer wieder neue Wege zu gehen.
Vom Schichtbetrieb zur eigenen Vision
Die Geschichte von Jan Farkasch beginnt keineswegs mit Luxus, Bekanntheit oder Unternehmertum. Sie beginnt in einem Umfeld, das viele Menschen aus Süddeutschland kennen. Nach dem Schulabschluss entschied er sich für eine Ausbildung bei Mercedes und schlug zunächst den klassischen Weg ein. Während andere heute rückblickend gerne behaupten, sie hätten schon immer gewusst, dass sie Unternehmer werden würden, spricht er offen darüber, dass sein Leben lange Zeit in sehr geordneten Bahnen verlief. Ausbildung, Schichtarbeit, feste Strukturen und die Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz. Von außen betrachtet gab es keinen offensichtlichen Grund, diesen Weg zu verlassen.
Doch genau dort begann ein Gedanke zu wachsen, der ihn bis heute antreibt. Obwohl er seinen Aufgaben gewissenhaft nachging und sich engagierte, entstand zunehmend das Gefühl, dass sich sein persönlicher Einsatz kaum auf seine Entwicklung auswirkte. Ob jemand durchschnittliche Leistungen erbrachte oder weit über das Erwartete hinausging, am Ende des Monats stand häufig das gleiche Ergebnis auf dem Konto. Für viele Menschen mag das ausreichend sein. Für ihn war es das nicht.
Parallel zur Arbeit begann er, erste Inhalte auf TikTok zu veröffentlichen. Nicht mit einer ausgeklügelten Strategie und schon gar nicht mit dem Plan, irgendwann Millionen Menschen zu erreichen. Die ersten Videos entstanden aus Spaß, aus Neugier und aus dem Wunsch heraus, etwas auszuprobieren. Der Name „Betrugo“ war dabei ursprünglich nichts weiter als ein Spitzname, den er bereits aus Jugendzeiten kannte. Durch seine familiären Wurzeln in Serbien und Tschechien war ihm der scherzhafte Ausdruck „Jugo Betrugo“ vertraut, der in vielen Balkan-Communities seit Jahrzehnten verwendet wird. Als er seinen Account anlegte, entschied er sich spontan für diesen Namen, ohne zu ahnen, dass er eines Tages zu einer bekannten Marke werden würde.
Jan Farkasch auf einen Blick
Performance Marketing & Consulting
Schon die ersten Beiträge entwickelten eine Dynamik, mit der er selbst nicht gerechnet hatte. Während auf der Plattform damals vor allem Tanzvideos und Unterhaltung im klassischen TikTok-Stil dominierten, setzte er auf provokanten Humor und Inhalte, die bewusst aneckten. Innerhalb kurzer Zeit erzielten einzelne Videos Hunderttausende Aufrufe. Aus einigen Tausend Followern wurden Zehntausende und schließlich Hunderttausende.
Was nach außen wie eine Erfolgsgeschichte wirkte, fühlte sich für ihn selbst allerdings deutlich komplizierter an.
Während seine Bekanntheit immer weiter zunahm, stand er weiterhin im Schichtbetrieb. Menschen erkannten ihn auf der Straße, wollten Fotos machen oder sprachen ihn auf seine Videos an. Gleichzeitig fuhr er morgens zur Arbeit, absolvierte seine Schichten und fragte sich zunehmend, wohin sein eigener Weg eigentlich führen sollte. Rückblickend beschreibt er diese Zeit als eine Phase großer innerer Widersprüche. Auf der einen Seite wuchs die Aufmerksamkeit stetig, auf der anderen Seite fehlte das Gefühl, wirklich voranzukommen.
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BILDSTRECKE
Der Absturz, der alles veränderte
Besonders eindrücklich schildert er einen Abschnitt, über den viele Menschen in vergleichbaren Situationen vermutlich nicht sprechen würden. Trotz Reichweite, Anerkennung und wachsender Bekanntheit fühlte er sich zeitweise leer und orientierungslos. Die Öffentlichkeit sah den aufstrebenden Creator. Er selbst sah vor allem einen jungen Mann, der arbeitete, Inhalte produzierte und dennoch nicht das Gefühl hatte, seinem eigentlichen Ziel näherzukommen.
Der entscheidende Wendepunkt folgte wenig später.
Ein Unternehmen aus der Schweiz machte ihm ein Angebot, das auf den ersten Blick vielversprechend erschien. Beteiligungen, Entwicklungsmöglichkeiten und die Aussicht auf eine neue berufliche Zukunft sorgten dafür, dass er schließlich eine Entscheidung traf, die sein Leben nachhaltig verändern sollte. Er kündigte seinen sicheren Arbeitsplatz bei Mercedes und zog in die Schweiz.
Heute spricht er erstaunlich offen über diesen Schritt. Die Entscheidung, Unternehmer zu werden, bereut er bis heute nicht. Rückblickend würde er jedoch vieles anders angehen – sorgfältiger prüfen, kritischer hinterfragen und nicht jedes Versprechen ungefragt als selbstverständlich ansehen.
Die Realität holte ihn bereits wenige Monate später ein. Investoren zogen sich zurück, Versprechungen lösten sich auf und das gesamte Konstrukt brach innerhalb kürzester Zeit zusammen. Von einem Tag auf den anderen stand er vor den Trümmern seiner Planung. Der sichere Arbeitsplatz war weg, die neue Perspektive ebenfalls.
Besonders deutlich erinnert er sich noch heute an einen Moment, in dem er allein in seinem Auto saß und zum ersten Mal ernsthaft das Gefühl hatte, sein Leben gegen die Wand gefahren zu haben.
Viele Menschen hätten an diesem Punkt vermutlich aufgegeben.
Jan Farkasch tat das Gegenteil.
Er beschreibt diese Zeit heute als eine der wichtigsten Erfahrungen seines Lebens, weil sie ihn zwang, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen nicht länger aufzuschieben. Gemeinsam mit seinem heutigen Geschäftspartner entwickelte er neue Projekte, gründete ein Tattoo-Studio und begann, seine Kenntnisse im Bereich Marketing und Markenaufbau professionell einzusetzen. Was zunächst aus der Not heraus entstand, entwickelte sich innerhalb weniger Monate zu einer echten unternehmerischen Perspektive.
Dabei spricht er über Erfolg nicht in der Sprache vieler Motivationscoaches. Statt von schnellen Gewinnen oder spektakulären Durchbrüchen zu erzählen, berichtet er von Fehlern, Unsicherheiten und schlaflosen Nächten. Mehrfach betont er, dass Rückschläge aus seiner Sicht nicht die Ausnahme, sondern der Normalzustand unternehmerischer Entwicklung seien.
Sein Blick auf dieses Thema verdichtet sich in einem Satz, der während des Gesprächs mehrfach nachhallt:
Vielleicht erklärt genau diese Denkweise auch, weshalb er seine öffentliche Figur im Laufe der Jahre zunehmend weiterentwickelt hat.
Die Wahrheit hinter der Figur Betrugo
Wer Betrugo ausschließlich aus kurzen TikTok-Clips kennt, könnte leicht zu dem Schluss kommen, dass es sich um einen klassischen Provokateur handelt. Tatsächlich basiert ein Großteil seines Erfolgs auf Ironie, Überzeichnung und bewusst überspitzten Aussagen. Doch je länger er mit seiner Reichweite arbeitet, desto stärker beschäftigt ihn eine andere Frage: Welche Verantwortung trägt jemand, dessen Inhalte täglich Hunderttausende Menschen erreichen?
Vor allem junge Männer gehören zu seinem Publikum. Viele von ihnen orientieren sich an Social-Media-Persönlichkeiten, übernehmen Aussagen ungefiltert oder betrachten einzelne Videos als Lebensweisheiten. Genau darin sieht er ein Problem. Deshalb begann er vor einigen Jahren, ergänzend zu seinen humorvollen Inhalten längere Formate auf YouTube zu veröffentlichen, in denen er über Beziehungen, persönliche Entwicklung und gesellschaftliche Themen spricht.
Dabei grenzt er sich bewusst von jenen Persönlichkeiten ab, die mit einfachen Antworten und aggressiven Weltbildern Aufmerksamkeit erzeugen. Statt Menschen gegeneinander auszuspielen, versucht er nach eigener Aussage, Zusammenhänge zu erklären und unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen.
Besonders deutlich wird das an einem Beispiel, das er selbst erzählt. Während er am Valentinstag ein bewusst provokantes Video veröffentlichte, in dem er scherzhaft erklärte, Männer sollten keine Blumen verschenken, zeigte er wenige Stunden später in einer Story, wie er selbst mit einem Blumenstrauß unterwegs war. Die Botschaft dahinter war einfach: Humor darf provozieren, sollte aber nicht dazu führen, dass Menschen grundlegende Werte vergessen.
Diese Mischung aus Unterhaltung und Verantwortung scheint inzwischen ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit geworden zu sein.
Mehr als ein Parfüm
Parallel dazu entstand mit Auraminot ein Projekt, das mittlerweile einen bedeutenden Teil seiner unternehmerischen Aktivitäten ausmacht.
Dabei verfolgt er einen Ansatz, der weit über den Verkauf von Parfüm hinausgeht. Während viele Unternehmen ihre Produkte über technische Merkmale oder Inhaltsstoffe vermarkten, beschäftigt sich Jan vor allem mit der Frage, warum Menschen überhaupt kaufen. Im Gespräch wird schnell deutlich, wie intensiv er sich mit Verkaufspsychologie auseinandergesetzt hat. Begriffe wie Zugehörigkeit, Wahrnehmung und Markenidentität fallen immer wieder.
Für ihn erwerben Menschen selten ein Produkt allein wegen seiner Funktion. Viel häufiger kaufen sie ein bestimmtes Gefühl, eine Vorstellung oder ein Bild von sich selbst.
Genau auf diesem Gedanken basiert Auraminot.
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Die Marke soll nicht vermitteln, dass Kunden lediglich einen Duft erwerben. Sie soll das Gefühl erzeugen, Teil von etwas Größerem zu sein. Dabei legt das Unternehmen großen Wert auf Design, Verpackung, Markenwirkung und die Wahrnehmung nach außen. Jede Entscheidung wird detailliert durchdacht. Von der Gestaltung der Flakons bis hin zur Positionierung einzelner Elemente auf der Verpackung spielt jedes Detail eine Rolle.
Der Erfolg gibt diesem Ansatz bislang recht. Innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit gewann Auraminot zehntausende Kunden, erhielt Auszeichnungen im E-Commerce-Bereich und etablierte sich als feste Größe innerhalb seiner Zielgruppe. Dennoch spricht Jan deutlich häufiger über Produktqualität als über Verkaufszahlen.
Für ihn beginnt langfristiger Erfolg nicht mit Marketing, sondern mit dem Moment, in dem ein Kunde das Produkt tatsächlich benutzt.
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Wir verkaufen ein Gefühl.
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, weshalb ihm so viele Menschen zuhören. Hinter den provokanten Videos steckt jemand, der sich nicht ausschließlich für Aufmerksamkeit interessiert, sondern für nachhaltige Ergebnisse – und der Reichweite vor allem als Werkzeug versteht, um langfristig etwas aufzubauen.
Das eigentliche Ziel
Als das Gespräch langsam seinem Ende entgegengeht, stellt sich schließlich die Frage nach seinen persönlichen Zielen. Wer seine Geschichte kennt, erwartet möglicherweise Antworten über Wachstum, Expansion oder wirtschaftliche Kennzahlen.
Doch stattdessen spricht er über seine Eltern.
Über Menschen, die ihn unterstützt haben, obwohl sie selbst keine Unternehmer waren. Über Opfer, die sie gebracht haben, damit es ihm an nichts fehlt. Und über den Wunsch, ihnen irgendwann die Möglichkeit zu geben, selbst etwas ruhiger zu leben.
In diesem Moment verschwindet die Figur Betrugo vollständig aus dem Raum.
Zurück bleibt Jan Farkasch.
Ein junger Unternehmer, der Fehler gemacht, Rückschläge erlebt und Chancen genutzt hat. Jemand, der gelernt hat, dass Erfolg selten geradlinig verläuft und dass hinter jeder sichtbaren Entwicklung meist deutlich mehr Arbeit steckt, als Außenstehende vermuten.
dass meine Eltern nicht mehr arbeiten müssen.
Zum Abschluss des Gesprächs wird er gefragt, ob er Vorbilder habe.
Seine Antwort kommt ohne Zögern.
„Mein Vorbild bin ich selbst in zehn Jahren.“
Ein Satz, der zunächst ungewöhnlich klingt, nach diesem Gespräch jedoch erstaunlich logisch erscheint. Denn wer Jan Farkasch zuhört, gewinnt nicht den Eindruck, dass er versucht, jemand anderes zu werden.
Vielmehr wirkt es so, als würde er jeden Tag daran arbeiten, der Person näherzukommen, die er bereits vor Augen hat.
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