KD MAGAZIN / Wirtschaft
Was Server nebenbei erzeugen, wärmt jetzt Büros und Klassenzimmer: Die Abwärme eines Rechenzentrums in Stuttgart versorgt im Synergiepark Möhringen die DEKRA-Zentrale und eine städtische Schule.
Wärmewende · Rechenzentrum · Unternehmen
Im Süden Stuttgarts arbeitet ein Rechenzentrum jetzt auch als Heizung. Das neue Wärmenetz im Synergiepark zeigt, wie die Abwärme eines Rechenzentrums in Stuttgart Erdgas ersetzen kann. Beteiligt sind die Stadtwerke, ein Rechenzentrumsbetreiber und einer der bekanntesten Arbeitgeber der Stadt.
Im Synergiepark in Stuttgart-Möhringen liegt ein Projekt, das man von außen kaum sieht und das trotzdem viel über die Zukunft der Stadt erzählt. Über ein neues Netz wird die Abwärme eines Rechenzentrums in Stuttgart zu den Nachbarn gebracht. Das Rechenzentrum des Betreibers nLighten an der Breitwiesenstraße liefert die Wärme, abgenommen wird sie zunächst von der städtischen it.schule Stuttgart und mehreren DEKRA-Gebäuden. Die DEKRA-Zentrale zählt rund 2.000 Beschäftigte. Im September wurde das Netz offiziell in Betrieb genommen.
DAS PROJEKT AUF EINEN BLICK
| 1,8 MWWärmeleistung, maximal | ca. 5 GWhWärme pro Jahr | ca. 1.200 tCO₂e Einsparung pro Jahr, rechnerisch |
So funktioniert die Abwärme aus dem Rechenzentrum in Stuttgart
Das Prinzip ist einfach erklärt. Server erzeugen Wärme, die abgeführt werden muss. Ein geschlossenes Wassersystem nimmt sie auf, Wärmepumpen heben sie anschließend auf das Temperaturniveau, das die Gebäude brauchen. Laut DEKRA ist das Netz auf bis zu 1,8 Megawatt Wärmeleistung ausgelegt und soll rund 5 Gigawattstunden Wärme im Jahr liefern. Umfangreiche Tiefbauarbeiten waren demnach nicht nötig, weil die Anbindung die vorhandene Infrastruktur am Standort nutzt.
Realisiert haben das Netz die Wärmelösungen Synergiepark Stuttgart (WLSS), ein Joint Venture der Stadtwerke Stuttgart und der e-con AG. Partner für die Gebäudetechnik ist Alois Müller, der Bund fördert das Projekt. Laut e-con AG ist das Netz zudem modular angelegt und lässt sich um weitere Wärmequellen und Abnehmer erweitern.
Was DEKRA vom Rechenzentrums-Nachbarn hat
Für DEKRA kam das Angebot zur richtigen Zeit. Der Prüfkonzern versorgt laut eigener Mitteilung fünf zentrale Gebäude über das Netz. Drei Blockheizkraftwerke aus den frühen 1990er-Jahren und weitere fossile Erzeuger können dadurch außer Betrieb gehen, zumal deren Ersatz technisch aufwendig gewesen wäre. Perspektivisch lassen sich so bis zu 1,7 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Jahr ersetzen.
Bei der Klimawirkung lohnt ein genauer Blick: DEKRA gibt für sich bis zu rund 1.000 Tonnen CO₂ pro Jahr an. Die Betreiber rechnen für das gesamte Netz mit rund 1.200 Tonnen CO₂-Äquivalenten gegenüber der bisherigen Erdgasversorgung, inklusive Vorkette. Beides sind rechnerische Werte, keine Messergebnisse.
KD HIGHLIGHT · UNSER TIPP
Spannend ist das Projekt nicht wegen seiner Größe, sondern wegen des Prinzips: Wo Unternehmen Tür an Tür sitzen, wird die Abwärme des einen zur Heizung des anderen.
Warum das Projekt für die Region wichtig ist
Die Wärme ist die große Baustelle der Stuttgarter Klimapolitik. Die Stadt hält laut ihrer Klimastrategie 2026 bis 2035 ein Minus von 85 Prozent gegenüber 1990 für realistisch, im Jahr 2024 waren es rund 55 Prozent. Gerade bei der Abkehr von fossilen Heizungen geht es ihr zufolge nicht schnell genug voran. Als zentrale Hebel nennt sie Fernwärme und neue klimaneutrale Wärmenetze. Die kommunale Wärmeplanung soll im ersten Halbjahr 2027 fortgeschrieben sein.
Für Gewerbegebiete wie den Synergiepark ist das Beispiel deshalb interessant: Rechenzentren und Gebäude mit großem Wärmebedarf liegen hier oft nah beieinander. Wie eng Industriegeschichte und neue Ideen in der Region zusammenliegen, zeigt auch unser Besuch im urbanharbor in Ludwigsburg. Und wie ein Energieversorger aus der Region selbst über seine Rolle denkt, steht in unserem Beitrag über die Stadtwerke Fellbach.
Häufige Fragen zur Abwärme aus dem Rechenzentrum in Stuttgart
Wer bekommt die Wärme im Synergiepark?
Zu den ersten Abnehmern gehören die städtische it.schule Stuttgart und mehrere DEKRA-Gebäude, darunter die Zentrale.
Wer betreibt das Wärmenetz?
Die Wärmelösungen Synergiepark Stuttgart (WLSS), ein Joint Venture von Stadtwerke Stuttgart und e-con AG. Die Abwärme liefert nLighten.
Warum braucht es Wärmepumpen?
Die Abwärme der Server reicht nicht direkt für die Gebäude. Wärmepumpen heben sie auf das nötige Temperaturniveau.
Können weitere Gebäude angeschlossen werden?
Das Netz ist modular geplant, weitere Wärmequellen und Abnehmer sind laut Betreibern möglich.
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Text: KD Magazin Redaktion · Beitragsbild: Symbolbild (KI-generiert)













